The Greek Extension – Was der Super-Max von Giannis für die restliche NBA bedeutet

Giannis Antetokounmpo hat seinen 2021 auslaufenden Vertrag mit den Milwaukee Bucks verlängert - als Super-Max-Vertrag für die nächsten fünf Jahre. Was bedeutet seine Verlängerung für den Rest der NBA?

‘The Greek Freak’ hat trotz aller Spekulationen seinen 2021 auflaufenden Vertrag verlängert. Wie wirkt sich das auf den Rest der Liga aus?

Viel wurde über die Zukunft von Giannis Antetokounmpo spekuliert. So ziemliche jede Franchise wurde schon als sein potentieller neuer Arbeitgeber für die Free Agency 2021 ausgerufen: Von den Miami Heat (die von vielen quasi als Top-Favorit auserkoren wurden) zu den Golden State Warriors bis hin zu…naja, wie immer, den Ney York Knicks (keep on Dreaming, Knicks Fans). Stattdessen hat der amtierende MVP nun also einen Super-Max-Vertrag bei den Milwaukee Bucks unterzeichnet…und der hat es in sich: 228 Millionen Dollar (in Euro ergibt das ungefähr 187,5 Millionen) kassiert Antetokounmpo über die nächsten fünf Jahre. Eine ganze Stange Geld, aber es handelt sich halt auch um einen der drei besten Spieler der Welt. Mit der Verlängerung hat Giannis natürlich ein starkes Zeichen gesetzt: Anstatt sich (wie heute leider üblich) einem größeren Team in einem größeren Markt anzuschließen, um dort gemeinsam mit (mindestens) einem weiteren Superstar den Titel zu holen, bleibt er im Stile eines Dirk Nowitzki oder Tim Duncan in einem kleineren Markt bei den Bucks. Milwaukee ist damit natürlich für mindestens die nächsten fünf Jahre mindestens ein Contender für die Conference Finals im Osten. Was bedeutet sein Verbleib aber für die restlichen Franchises in Ost und West?

Giannis steigt zu den bestbezahltesten Basketballern der Welt auf

Gehen wir zunächst einmal auf die großen Verlierer der Giannis-Extension ein: Da hätten wir zunächst natürlich allen voran die Miami Heat. Der amtierende Eastern-Conference-Champion wurde von allen Franchises mit Abstand am häufigsten als DER Abnehmer für den griechischen Ausnahmespieler gehandelt. Wieso? Naja, viel deutete darauf hin, dass sich die Heat speziell für die Free Agency 2021 vorbereitet haben: Beinahe sämtliche etwas höher dotierte Verträge im Kader wären im nächsten Sommer ausgelaufen…um gerade genug Platz für einen neuen Max-Vertrag zu machen (der natürlich auch für jemand anderes gedacht gewesen sein könnte, aber Giannis wäre nun einmal der Headliner im nächsten Sommer gewesen). Dazu ist Miami, im Gegensatz zu anderen stark interessierten Franchises wie den New York Knicks, ein beliebter Landeplatz für vertragslose Spieler (fragt mal LeBron James oder zuletzt Jimmy Butler). Den Heat ist damit natürlich ihr potentiell nächster Franchise-Spieler durch die Lappen gegangen, der ihnen obendrein auch noch die nächsten Jahre auf dem Weg zur Krone im Osten das Leben schwer machen wird.

Die nächsten „Verlierer“ sind damit natürlich auch die restlichen Finals-Contender im Osten. Wenn er die Free Agency betreten hätte, wäre es für Giannis genauso gut denkbar gewesen, dass er die Conference wechselt und sich am stark umkämpften Westen versucht. Für Franchises wie die Boston Celtics oder auch die Philadelphia Seventysixers, die ebenfalls für die nächsten Jahre zu den Top-Teams in der Eastern Conference zählen dürften, ist der Weg ins Finale somit also kaum leichter geworden. Ganz im Gegenteil: Anstatt hoffen zu können, dass Antetokounmpo sich beispielweise den Warriors anschließt und so die Conference wechselt, werden sie nun auch in den nächsten Jahren unweigerlich an ihm vorbeikommen müssen. Natürlich könnten sie auch in einem solchen Szenario letztendlich im Finale auf ihn treffen, trotz dessen wäre der Weg dorthin immerhin ein wenig einfacher geworden.

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‘Beast of the East’ statt ‘Best in the West’ – Giannis kämpft weiter um den Osten.

Ansonsten dürfte es aber wenige Verlierer dieser Transaktion geben. Die großen Gewinner sind wie schon am Anfang erklärt natürlich die Bucks, die sich damit die Dienste ihres Franchise-Spielers für weitere fünf Jahre gesichert haben. Allerdings hört es da noch nicht auf. Die „Zweitgrößten“ Sieger sind mit der Verlängerung von Antetokounmpo nämlich sämtliche Stars und Sternchen, die bis zur bzw. spätestens in der nächsten Free Agency erhältlich sind. James Harden ist, mit dem Erlöschen der Hoffnung, Giannis in der Free Agency verpflichten zu können, natürlich noch attraktiver für andere Franchises geworden, die sich nun auch keine Sorgen mehr um ihr Cap Space im nächsten Jahr machen müssen. Auch Profis wie Kawhi Leonard, der größte Name, der noch auf der FA-Liste für nächstes Jahr steht, dürften nun noch stärker von anderen Franchises umgarnt werden. Obwohl dies erstmal nur für andere große Teams (solche, die sowieso ein beliebter Landeplatz für Stars sind) wie ein tatsächlicher Vorteil wirkt, hilft Giannis Verlängerung tatsächlich auch den Franchises, die in „unbedeutenderen“ Märkten zuhause sind.

Diese „kleineren“ Franchises können die Verlängerung von Giannis als positives Beispiel ansehen: Es gibt auch für sie Hoffnung, dass ihre (zukünftigen) Franchise-Stars, anstatt den Weg in einen größeren Markt mit mehr Aufsehen und (vor allem) mehr Geld zu suchen, ebenfalls ihre Verträge auf lange Zeit verlängern. Team wie die Memphis Grizzlies oder die New Orleans, welche in deutlich kleineren Märkten zuhause sind als eben beispielsweise die Los Angeles Lakers oder die Golden State Warriors haben es häufig sehr schwer, neue Top-Spieler in der Free Agency in ihre Stadt zu locken. Die absoluten Top-Namen entscheiden sich stattdessen häufig für die wertvolleren Städte, in denen sie deutlich mehr Möglichkeiten und Aufmerksamkeit haben. Das letzte große Beispiel hierfür ist Anthony Davis, der die „kleinen“ Pelicans für die „großen“ Lakers eingetauscht hat (wenngleich über einen erzwungenen Trade anstatt nach einem ausgelaufenen Vertrag). Mit Giannis als positiv Beispiel wird es jetzt für (sagen wir mal) die Timberwolves deutlich realistischer, Karl-Anthony Towns auch nach seinem zweiten großen Vertrag in Minnesota zu halten, anstatt ihn nach (beispielsweise) LA abgeben zu müssen. Vielleicht wird Giannis dementsprechend zum Vorbild für weiter Stars, die, anstatt als „Merchants“ dem nächsten Titel hinterherzujagen, stattdessen Legendenstatus á la Nowitzki oder Duncan in einer einzigen Stadt erlangen wollen. Bis vor kurzem wirkte es, als könnte Stephen Curry der letzte A-Level Superstar werden, welcher tatsächlich bei dem Team in Rente geht, von dem er auch gedraftet wurde (ohne zwischendurch zu einem anderen Team gewechselt zu sein). Mit Giannis Verlängerung (und seiner generellen Einstellung zu „seinen“ Bucks, die er in den Interviews seitdem an den Tag legt) wirkt dieses Szenario deutlich realistischer.

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Giannis stopft weiter Dunks für die Bucks – ein Vorbild für andere Stars?

Natürlich ist es trotz seiner Verlängerung noch nicht sicher, dass Giannis tatsächlich auch die „Greatness“ in Milwaukee findet, die er letztendlich zu suchen scheint. Niemand weiß, ob weitere titellose Jahre ihn in knapp 5 Jahren nicht doch umstimmen. Allerdings zeigt Giannis hier so oder so eine Einstellung zum Spiel und zu seiner Legacy, die so wenige andere Spieler heutzutage noch an den Tag legen. Die Liga ist voll von „Hired Guns“ und „Mercenaries“; Stars, die sich das Team mit den besten Titelchancen herauspicken, ein bis zwei Jahre dort verbringen, nur um dann zum nächsten Titelkandidaten weiterzuziehen (Kawhi Leonard anyone?). Sportlich ist daran natürlich nichts auszusetzen, allerdings gibt es diesen Stars eben auch nicht die Möglichkeit, sich langfristig in die Herzen der Fans eines speziellen Teams zu spielen und sich dort unsterblich zu machen. Das mag in den früheren Jahren der Liga mit Stars wie Magic Johnson oder Larry Bird zwar normal gewesen sein, in den letzten Jahren hat sich der Trend jedoch stark in die andere Richtung entwickelt. Vielleicht wird Giannis ja der Star, um die Zeit zurückzudrehen und den Trend dementsprechend wieder umzukehren. Der Greek Freak wird der einzige sein, der das entscheiden kann.

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