The Fresh Prince of…Golden State? – Könnte Ben Simmons zu den Warriors wechseln?

Die Golden State Warriors wollen 2021 nach einer "Saison zum Vergessen" wieder die NBA-Finals angreifen. Allerdings fehlt es den Warriors noch an einem wichtigen Puzzleteil: Größe. Könnte Ben Simmons zum letzten Teil des Puzzles werden, um die "Dubs" wieder nach ganz oben zu führen?

Für wen macht dieser Trade am meisten Sinn… und wie würde er überhaupt aussehen?

Viel wurde darüber spekuliert, wie genau die Golden State Warriors nach einer Saison zum vergessen wieder an die Spitze der NBA zurückkehren könnten. Natürlich wird allein die Rückkehr der „Splash Brothers“ Stephen Curry und Klay Thompson dafür sorgen, dass die Warriors vom Kellerkind wieder zum (erweiterten) Titel-Anwärter-Kreis gehören werden. Allerdings halten viele Experten selbst die Rückkehr des Star-Back-Courts der „Dubs“ für zu wenig, um mit den Supermächten aus LA sowie auch Milwaukee zu konkurrieren. Das Problem der Warriors: Wer genau verteidigt in einer Best-of-Seven-Serie über-athletische Riesen wie Anthony Davis oder Giannis Antetokounmpo? Stichwort: Ben Simmons.

Der Guard der Philadelphia Seventysixers ist wie die Davis und Antetokounmpo ein herausragender Athlet im Körper eines NBA-Forwards. Mit 2,08 ist der Australier offiziell genauso groß wie Davis und nur knapp kleiner als Antetokounmpo (2,11m). Gleichzeitig ist er allerdings mit beiden auch in einer Gewichtsklasse; 108kg gehen gegen 114kg (Davis) respektive 109kg (Antetokounmpo). Simmons gehört dementsprechend zur seltenen Sorte Spieler, die sowohl von der Länge als auch von der körperlichen Stärke her mit Anomalien wie „The Brow“ oder „The Greek Freak“ mithalten können. Wie die diesjährigen Playoffs bewiesen haben, ist ein Spieler dieser Sorte unverzichtbar, wenn man eine Chance auf den Titel haben will. Die Lakers hatten…nun ja, Davis selbst eben, und die Heat auf der anderen Seite hatten mit Bam Adebayo (2,06m; 115kg) die wohl beste Antwort auf Giannis im gesamten Osten. Die Liga wird wieder größer, und der diesjährige Champion, die Lakers, waren eben einfach die „größten“. Der Vorteil an Spielern wie Davis und Giannis oder auch Adebayo ist allerdings natürlich noch ein anderer: Sie sind mit ihrer natürlichen Agilität, gepaart mit ihren unglaublichen körperlichen Voraussetzungen, extrem vielseitige, multi-positionelle Verteidiger, die es von Position eins bis fünf mit jedem Gegenspieler aufnehmen können. Besonders wichtig wird das in Spielphasen, in dem beide Teams dann doch eher klein als groß spielen: Spielertypen wie diese sind die Idealbesetzung eines „Small-Ball-Centers“. Das Problem ist nur: Den Warriors fehlt aktuell ein solcher „Freak of Nature“.

Davis ist von kaum einem Spieler zu stoppen… das mussten selbst die Heat um den verletzten Bam Adebayo in den Finals spüren.

Bei den Warriors hat die Rolle des „Small-Ball-Centers“ in den letzten Jahren (neben dem nach Brooklyn abgewanderten Kevin Durant) häufig Draymond Green (1,98m; 104kg) eingenommen. Green dürfte in einer potentiellen Serie gegen die LA Lakers allerdings dieselben Probleme mit Davis bekommen, wie sie der körperlich vergleichbare Jae Crowder (1,98; 106kg) von Miami im diesjährigen Finale ebenfalls bekommen hat: Er ist zu klein. Davis ist mit 2,08 bereits riesig, allerdings ist es noch eine ganz andere Aufgabe, seinen Wurf zu verteidigen. Mit einer Spannweite von 2,27 ist Davis einer der Spieler, dessen Wurf mit am schwersten zu verteidigen ist. Der Abwurf kommt schlichtweg von zu weit oben für „normalgroße“ Verteidiger mit ähnlicher lateraler Geschwindigkeit. Green (Spannweite: 2,17m) mag einer der besten Verteidiger der Liga sein und war in der Vergangenheit bereits Defensivspieler des Jahres, allerdings kann auch das nicht seine rein körperlichen Nachteile, die er gegen Davis (oder auch Giannis) hätte, ausgleichen. Zwar hat auch ein Ben Simmons mit einer Spannweite von 2,14m hier Nachteile, allerdings hätte er aufgrund des robusteren Körpers deutlich größere Chancen, als ein Draymond Green diese hätte.

Den Warriors fehlt es an “großen” Spielern, um mit über-Athleten Davis und Co. zu konkurrieren
(Quelle: basketball-reference.com)

Generell wäre Simmons jemand, der in San Francisco viel mit Draymond Green verglichen werden würde; beide Spieler ähneln sich vom Profil her in einigen Punkten. Beide sind starke und vor allem vielseitige Verteidiger, die trotz ihrer Größe auch kleinere Spieler mühelos festsetzen können, ohne gleichzeitig gegen (die meisten) größeren Spieler den Kürzeren zu ziehen. In der Offensive haben beide gern den Ball in der Hand und können durch ihre Übersicht glänzen. Beide sind zudem schwache Werfer, die zur vollen Entfaltung kommen, wenn sie von stärkeren Schützen umrandet werden, auf die sie die Bälle dann verteilen können. Im Vergleich der beiden mag Green zwar an sich noch der bessere Verteidiger sein (wenn man das 1-gegen-1 gegen Spielertypen wie Davis außeracht lässt), allerdings dürfte Simmons, was die Offensive angeht, schon jetzt die Nase vorn haben und generell hier auch deutlich höheres Potential haben als Green. Green spielt in Golden State häufig als sekundärer Ballführer, um Stephen Curry sowohl Pausen als auch Spielzüge als Gefahr abseits des Balles zu ermöglichen. Dies ist eine Rolle, die auch Simmons mit Leichtigkeit einnehmen könnte, er durfte es bisher nur noch nie auf dem höchsten Level beweisen.

In Philadelphia fehlt es, neben Simmons, seit je her an einem echten zweiten Ballführer. Markelle Fultz (erster Pick im Draft 2017) sollte dieser jemand werden, allerdings hielt ihn eine Schulterverletzung davon ab, je sein Potential zu entfesseln (er wurde nach Orlando abgegeben). T.J. McConnel und zuletzt auch Spieler wie Shake Milton hatten ebenfalls nicht die Klasse, um eine ernsthafte Alternative/Ergänzung zu Simmons darzustellen. Selbst Jimmy Butler, der in den wichtigen Momenten der letztjährigen Playoffs häufig als Ballverteiler spielte, war trotz seiner Klasse kein guter Partner für Simmons (oder in diesem Sinne für Embiid); mit ihm gab es (man siehe die Serie gegen Toronto) häufig das Bild, dass Simmons mutterseelenallein in der Ecke zwischen Dreierlinie und der Zone stand und von Gegen- wie auch Mitspielern völlig ignoriert wurde. Curry wäre der erste Point Guard von All-NBA (und natürlich Hall-of-Fame) Format, mit dem Simmons überhaupt zusammenspielen würde. Curry versteht es sehr gut, sowohl mit als auch ohne den Ball eine Gefahr darzustellen und so Chancen für seine Mitspieler zu kreieren. Zudem steht mit Klay Thompson ein weiterer All-Time-Great-Shooter bei den „Dubs“ auf dem Feld, der durch seine reine Präsenz für noch mehr Platz in der Zone sorgt. Im Stile eines Giannis Antetokounmpo bei Milwaukee könnte Simmons in der freien Offensive der Warriors sowohl als Ballverteiler für Curry, Thompson und Co. als auch als Pick-and-Roll-Partner für die „Splash-Brothers“ agieren. Einzig seine Rolle neben eben Draymond Green wäre fragwürdig, beide wollen wie oben erwähnt ähnliche offensive Aufgaben übernehmen.

Draymond Green ist jetzt schon seit über 8 Jahren bei den Warriors… könnte seine Zeit sich dem Ende neigen?

Simmons würde also sehr gut zu den Warriors passen und direkt eine Verstärkung darstellen. Jetzt ist die Frage, wie genau ein Trade zwischen den beiden Teams aussehen würde.
Von den Gehältern her haben die Warriors hier eigentlich kaum eine Wahl: Andrew Wiggins müsste im Tausch für Simmons nach nur einem halben Jahr als „Dub“ wieder abgegeben werden. Wiggins war ebenfalls ehemals ein Nummer eins Pick und passt vom Profil her deutlich eher zu einem Spieler wie Joel Embiid, allerdings ist sein Trade-Wert in den letzten Jahren stark gesunken, es muss also noch mehr her. Mit Kevon Looney hat Golden State einen talentierten Center im Kader, der ein deutlich billigerer Ersatzmann für Embiid wäre als Horford. Auch Eric Paschall, der ins diesjährige All-Rookie-Team gewählt wurde, würde sicherlich mit nach Philadelphia gehen müssen. Die Warriors haben zudem im diesjährigen Draft den zweiten Pick, den sie oben drauflegen könnten. Da die diesjährige Draft-Klasse allerdings nicht besonders hoch im Standing bei den meisten General Managern der NBA ist, könnte NOCH MEHR nötig sein. Zum Glück besitzt Golden State ja zusätzlich den ersten Pick der Timberwolves für 2021, der ebenfalls noch auf den Tisch gelegt werden könnte. Der Trade liest sich also:

Ben Simmons
für
Andrew Wiggins, Kevon Looney, Eric Paschall, 2nd Pick 2020 + 2021 First-Round-Pick (via Min)

Für Philadelphia mag das erstmal nach einem nachteiligen Deal aussehen (so der Minnesota-Pick nicht unerwartet sehr hoch wird), allerdings gibt ihnen das auch ein wenig mehr Spielraum für weitere Veränderungen am Kader. Sowohl die beiden Picks als auch Looney und Paschall könnten als Trade-Anreiz verwendet werden, um die großen Verträge von Horford oder auch Tobias Harris von der Gehaltsliste zu entfernen. Denkbar wäre zum Beispiel ein Trade mit den Kings, um mit Buddy Hield einen der Liga-besten Dreierschützen nach Pennsylvania zu locken (Beispielsweise ein Paket aus Horford, dem Minnesota Pick und potentiell Paschall), allerdings sind die Möglichkeiten natürlich ziemlich groß. Der Trade würde Philly einen neuen Versuch ermöglichen, einen Titelanwärter um zumindest einen seiner zwei Superstars aufzubauen, während die Warriors sich von erweitertem Titelanwärter sofort in eines der Top-Franchises (zurück-)verwandeln würden.

Ein potentieller Three-Way-Trade zwischen den Sixers, Golden State und den Kings (via tradenba.com)

Für Simmons selbst wäre ein Wechsel nach Kalifornien am reizvollsten. Mit „Steph“ und „Klay“ hätte er zwei der besten Werfer aller Zeiten jeden Tag neben sich und könnte so zum einen seine Stärken in der Ballverteilung voll entfalten und zum anderen eventuell sogar noch das eine fehlende offensive Puzzlestück, den Wurf, zu seinem Arsenal hinzufügen – wenn auch nur insofern, dass ein Verteidiger ihn wenigstens respektieren muss. Bill Simmons (keinerlei Verbindung zu Ben dem Basketballer) von „The Ringer“ hat in seinem Podcast (Credit: The Bill Simmons Podcast) schon mehrfach ausgeführt, dass sein Namensvetter in seinen Augen behandelt werden muss wie „Giannis“ oder auch Lamar Jackson aus der NFL: Er braucht zur vollen Entfaltung ein Team, das vollständig um seine Stärken herum aufgebaut ist. In Philadelphia wird das durch die Anwesenheit von Joel Embiid wohl (erstmal) nichts werden; zu ungleich sind die Superstars. In Golden State jedoch wäre die Grundlage für ein solches Team (die Dynamik und die Tiefe von der Drei-Punkte-Linie) bereits gegeben. In San Francisco könnte Simmons eventuell den nächsten Schritt von „Superstar“ zu „Top-10-Spieler“ machen. Wir werden sehen, ob „The Fresh Prince“ es bald seinem Namensgeber Will Smith gleichtut und von Philadelphia nach Kalifornien umzieht.

(Größen und Gewicht der Spieler von basketball-referenece.com)

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