Puig-Pocalypse – Wieso wird „Riqui“ von Ronald Koeman nicht berücksichtigt?

Die Saison 2020/2021 sollte für Riqui Puig der große Durchbruch werden. Durch den Systemwechsel unter Ronald Koeman ist er nun jedoch stark ins Hintertreffen geraten. Hat das La-Masia-Juwel noch eine echte Chance, sich diese Saison in Barcelona durchzusetzen?

Ist Ronald Koeman wirklich so starrsinnig, dass er Puig weiterhin nicht spielen lässt?

Die Saison 2020/2021 sollte für Riqui Puig der große Durchbruch werden: In der Vorsaison anfangs nur mit kleineren Jokerrollen bedacht, kam er speziell gegen Ende der Spielzeit immer wieder das Vertrauen des im Sommer ausgeschiedenen Coachs Quique Setien. Dabei überzeugte Puig vor allem durch seinen Mut ins Dribbling zu gehen und durch seinen Zug zum gegnerischen Tor. Der junge Spanier brachte einem kriselnden Barcelona ein bisschen die Kreativität und die Spritzigkeit zurück, die das Team in den letzten Jahren schmerzlich vermissen ließ. Im darauffolgenden Sommer folgte, nach der Einsetzung von Ronald Koeman als Cheftrainer, der große Paukenschlag: Koeman wollte Puig wohl auf Leihbasis abgeben. Fans wie Experten sahen in dieser Maßnahme wenig Sinn; Puig war immerhin (neben Ansu Fati) DER Shooting-Star der vergangenen Spielzeit und gilt als Hoffnung für das Mittelfeld der Katalanen. Trotz dessen prophezeite der neue Coach dem Juwel aus der eigenen Jugendschmiede nur verschwinden geringe Einsatzzeiten – eine Prophezeiung, die als bewahrheitet betrachtet werden darf. Mickrige drei (DREI. 1,2,3; MEHR NICHT) Minuten Spielzeit erhielt der „La Masia“-Absolvent bisher erst in allen Wettbewerben. Was kann Puig überhaupt tun, um das Vertrauen von Trainer Koeman zu gewinnen?

Er wolle Spieler, die Einsatz zeigen. Alter sein nur eine Zahl, es komme nur auf die Trainingsleistung und den Biss an. So oder so ähnlich lauteten die Worte Ronald Koemans, als er im September den Job als Cheftrainer beim FC Barcelona angenommen hat. Gerade aufgrund solcher Zitate hat sich bei Fans deshalb damals auch ein Gedanke in den Köpfen festgesetzt: Ronald Koeman wird die „Alten“ aussortieren und die „Neuen“ schnellstmöglich in den Kader integrieren. Mit den „Neuen“ waren dabei vor allem zwei Spieler gemeint: Ansu Fati und Riqui Puig, ihrerseits die zwei besten Jugendspieler, die „La Masia“ in den letzten zehn Jahren hervorgebracht hat. Und während das bei Fati auch definitiv der Fall war, sieht die Lage beim drei Jahre älteren Puig deutlich anders aus: „Riqui“ ist bei Koeman seit jeher außen vor. Dabei scheint es egal zu sein, dass Puig in der Vorsaison noch zu den wenigen Lichtblicken einer sonst eher faden Saison gehörte und dass er allein es teilweise schaffte, einem uninspirierten Blau-Roten Mittelfeld ein bisschen der schwer-fehlenden Dynamik wiederzubringen. Puig wurde trotzdem schon vor der Saison ein Wechsel ans Herz gelegt. Doch der junge Spanier wollte nicht. Er wollte für seinen Platz in der Mannschaft kämpfen und seinem neuen Trainer zeigen, dass er die Qualität besitzt, sich auch jetzt schon in Katalonien durchzusetzen. Hätte er denn die Möglichkeit dazu bekommen. Stattdessen lässt Koeman ihn auf der Bank versauern und wechselt ihn nicht mal mehr dann ein, wenn ein Spiel schon entschieden ist oder wenn andere (BUSQUETS) keine Leistung bringen. Koeman setzt auf andere. Frenkie de Jong ist (zurecht) Stammspieler im Mittelfeld des „neuen“ Barcelona. Das „neu“ ist dabei besonders essenziell: Koeman stellte, auch um das Maximum aus Frenkie De Jong herauszuholen, vor der Saison vom traditionellen 4-3-3 auf ein 4-2-3-1 um. Ein Platz auf der Doppelsechs kommt seinem holländischen Landsmann, der seine Stärken weitaus eher in der Offensive beim Spielaufbau als in der Defensive hat, deutlich eher zugute als ein Platz als einziger Sechser, der zu viele defensive Aufgaben hätte, oder auch als Achter, der zu weit in die gegnerische Hälfte eintauchen müsste. Stattdessen bekommt De Jong so noch einen Nebenmann, der die „harte Arbeit“ für ihn erledigt. In der Theorie dürfte Miralem Pjanic dieses Profil am ehesten erfüllen, allerdings setzt Koeman hier aktuell am häufigsten auf den alternden Sergio Busquets. Vor der Doppelsechs ist im 4-2-3-1 bekanntlich ein Zehner positioniert; Koeman besetzte diese Position zu Beginn der Saison fast ausschließlich mit Philippe Coutinho (oder zur Rotation auch Pedri) und seit der Verletzung des Brasilianers auch (mit steigendem Erfolg) mit Antoine Griezmann.

Der ein oder andere mag jetzt auch schon wissen, was bei dieser Konstellation das große Problem von Puig ist: Ihm fehlt seine natürliche Position. Wie schon im Website-ersten Beitrag erläutert ist Riqui kein Zehner, sondern ein Achter; ihm fehlt in diesem Sinne die Torgefahr, die von einem Griezmann oder auch einem Coutinho ausgeht. Gleichzeitig fehlen ihm allerdings auch die körperlichen Voraussetzungen, um auf der Sechs eingesetzt zu werden (oder zumindest auf der Box-to-Box-Position rechts; De Jong ist links ja gesetzt). Trotz dessen ist es verhältnismäßig unverständlich, dass ein Spieler von Puigs Talentlevel sich bisher noch keine echten Einsatzchancen erarbeiten konnte. Zugleich gibt es allerdings auch einige Zitate von Trainer Ronald Koeman selbst, die durchaus etwas beunruhigend sind. So ließ der Trainer zuletzt verlauten, dass Puig „noch viele Bereiche habe, in denen er sich noch verbessern muss“. Der Holländer kreidete dem jungen Spanier vor allem fehlenden Rhythmus am Ball sowie zu geringe Physis an (Quelle: twitter.com/barcauniversal). Und während ersteres durchaus auch auf den fehlenden Spielrhythmus zurückgeführt werden kann, so ist seine Physis tatsächlich ein Problem.

Harte Worte vom Coach – Ist die Lage für Puig aussichtslos? (via Barcauniversal)

Puig wirkt auf dem Spielfeld, im Vergleich zu seinen deutlich älteren Mitspielern, tatsächlich eher noch wie ein Kind. Mit seinen 1,69m ist das La-Masia-Juwel gerade mal so groß wie „La Pulga“ (der Floh) Lionel Messi, allerdings spielt er auch weiter hinten und ist (speziell aufgrund Koemans Neuausrichtung des Mittelfelds) deutlich mehr defensiv gefordert als der Argentinier. Dennoch liegt es ja eigentlich genau in der Natur des Vereins, eher kleine und wendige Spieler im Mittelfeld einzusetzen. Paradebeispiele: Xavi Hernandez und Andres Iniesta. Die Club-Ikonen sind selber ebenfalls knapp um die 1,70m, waren aber über Jahre hinweg DIE Leistungsträger im katalanischen Mittelfeld. Puig besitzt definitiv das Potential, zumindest annähernd an die Erfolge der beiden anzuknüpfen… im richtigen System. Puig braucht, wie seine spanischen Landsmänner es ebenfalls brauchten und auch ein Frenkie De Jong es häufig benötigt, genügend defensive Absicherung. Der kleine Spanier wirft sich zwar häufig mit viel Elan in die Zweikämpfe, eine hohe Erfolgsquote springt dabei jedoch nicht heraus. Im defensiv aktuell ohnehin schon sehr wackligen Barcelona ist das natürlich ein Problem: Er kann so zum einen die Viererkette nicht besonders gut schützen (wie ein Sechser, wo er zum Einsatz kommen dürfte, tun müsste), noch wäre er eine gute Wahl, um die Offensivläufe von Sergino Dest/Sergi Roberto und/oder Jordi Alba abzusichern. Er passt somit aktuell einfach nicht ins Team.

Riqui Puig ist ohne Frage ein talentierter Spieler. Allerdings ist er auf keinen Fall der Spielertyp, den Ronald Koeman für sein „neues“ Barcelona sucht. Koeman sucht für das Mittelfeld einen klassischen „Box-to-Box“-Mann, der sowohl offensiv mit sicheren Pässen mitmischen kann, als auch defensiv für Stabilität sorgen kann; das perfekte Gegenstück zu Frenkie De Jong eben. Trotzdem: Wenngleich sich der Stil, Fußball zu spielen, in den letzten Jahren stark verändert hat und im Allgemeinen deutlich körperlicher geworden ist, wäre es auch so denkbar, dass Puig, so er die Chance erhält, auch mit Leistungen auf sich aufmerksam macht. Es bleibt abzuwarten, ob Ronald Koeman sie dem Spanier, der unbedingt um seinen Platz kämpfen will, auch gewährt. Dank der Verletzung von Busquets könnte die Zeit dafür endlich gekommen sein (wenn auch nur als Einwechselspieler). Wenn dies nicht der Fall ist, sollte „Riqui“ ernsthaft in Erwägung ziehen, im Winter doch auf Leihbasis einen Wechsel anzustreben. Am besten wäre wohl ein Mittelklasse-Club in Spanien in den Stilen von „Takefusa Kubo-zu-Villareal“ oder auch „Carles Alena-zu-Betis“. Er braucht die Spielzeit, um sich zu entwickeln. Hoffentlich sieht die Situation im nächsten Sommer dann wieder etwas rosiger für ihn aus.

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