Auf den Spuren von „Don Andrés“ – Pedri spielt sich in die Herzen der Fans

Der Aufstieg von Pedri vom Talent in Las Palmas zum Leistungsträger beim FC Barcelona verlief deutlich schneller, als er selbst es sich erhofft haben könnte. Wie geht es weiter für den "kanarischen Iniesta"?

Der junge Neuzugang von Las Palmas überzeugt trotz seines zarten Alters von Woche zu Woche mit guten Leistungen und enormem Kampfgeist für die Blaugrana. Kann der auf den Kanaren geborene Youngster auf lange Sicht eines der Leitbilder einer neuen Ära in Katalonien werden?

Es ist der 2.9.2019. Der FC Barcelona hat soeben die Verpflichtung des 16-jährigen Pedro „Pedri“ Gonzales Lopez vom FC Las Palmas für fünf Millionen Euro Ablöse bekannt gegeben. Der junge Spanier, dem bereits mit 16 große Ähnlichkeiten mit Barca-Legende Andrés Iniesta nachsagt wurde, wird allerdings für eine Saison zurück auf die Kanaren verliehen. Er soll in einer bekannten Umgebung mehr Spielpraxis sammeln, um dann zur Saison 20/21 zu den Katalanen zu stoßen. Springen wir ein Jahr, finanziell geplagt durch eine globale gesundheitliche Krise, weiter und wir stehen am Ende einer aus katalanischer Sicht desaströsen Saison, welche ihren negativen Höhepunkt in einer Demontage durch den späteren Champions-League-Sieger aus München fand. Ohne großen finanzielle Spielraum durch die Misswirtschaft vergangener Jahre stand man in Katalonien vor vielen offenen (und durch die Bayern auch endlich offenbarten) Baustellen. Ein neuer Trainer war in Ronald Koeman zwar gefunden, alternde Stars wurden abgegeben, jedoch fehlte es an monetären Möglichkeiten, um dem Team die dringend benötigte Frischzellenkur zu verpassen. Zum Ende des Transferfensters stand man zwar mit einigen die Gehaltssorgen lindernden Abgängen da, allerdings standen diesen trotz reichlich Gerüchten nur wenige Neuzugänge gegenüber: Da wären zum einen Francisco Trincao und Miralem Pjanic, die beide bereits im Verlaufe des Jahres unter Vertrag genommen wurden und erst jetzt zum Verein stießen, und zum anderen Sergino Dest, der einzige wirkliche Einkauf der Sommertransferperiode. Und dann gab es da noch Pedri, der von seiner Leihe aus Las Palmas zurückgekehrt war und jetzt ebenfalls erstmals bei der „Kampfmannschaft“ mittrainieren sollte. Aufgrund seines Alters und der geringen Ablöse galt Pedri allerdings eher als „Versprechen für die Zukunft“ und Leihkandidat anstatt als ein tatsächlicher potentieller Leistungsträger wie die restlichen drei.

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Pedri bei seiner offiziellen Vorstellung für die Saison 20/21. Nur ein “Versprechen für die Zukunft”?

Springen wir noch vier Monate weiter in die Gegenwart und wir wissen, dass alles anders kommen sollte. Von sämtlichen Sommerneuzugängen ist es Pedri, der mit Abstand die besten Leistungen für seinen neuen Arbeitgeber zeigt. Nicht der erfahrene Pjanic, der aktuell von Trainer Koeman in der Liga schon beinahe verschmäht wird und auch nicht der als hochveranlagt betitelte Trincao, der einfach nicht in den Tritt kommen will. Nicht einmal der von allen Seiten gelobte Neueinkauf Dest, der seinen unangefochtenen Startplatz eigentlich mehr der Verletzung von Sergi Roberto zu verdanken hat, konnte direkt so stark überzeugen wie der jetzt 18-jährige Pedri. Der auf den Kanaren geborene Mittelfeldmann glänzt seit seiner Ankunft mit enormem Einsatz, exzellentem Spielverständnis und brillanter Technik. Trotz seines jungen Alters (zu Beginn der Saison hatte er das 18. Lebensjahr immerhin noch nicht einmal vollendet) hat Pedri das Herz seines neuen Trainers erobert und sich so bereits jetzt einen absoluten Stammplatz im „neuen“ FC Barcelona erarbeitet. Neben seinen oben bereits genannten Stärken sticht dabei vor allem noch eine weitere Besonderheit heraus: Sein Zusammenspiel mit niemand geringerem als Lionel Messi. „Pedri: Der Youngster, der Messi wieder strahlen lässt“ titelte beispielsweise der Kicker. Schon in der Saisonvorbereitung war die Verbindung des Talents mit dem sechsfachen Weltfußballer kaum zu übersehen, vor allem in den letzten Spielen wurde sie allerdings allgegenwärtig. Nehmen wir beispielsweise das Nachholspiel vom 2. Spieltag gegen Bilbao: Beim Stand von 1:1 kommt Pedri nach Zuspiel von Messi halblinks vorm Strafraum an den Ball, zieht in die Mitte und spielt den Ball per Hacke zurück zu Messi für einen Assist. Soweit, so spektakulär. Was daran so richtig interessant ist, kommt allerdings erst danach. Messi, der im Sommer ernsthafte Wechselgedanken hegte und die Saison in (speziell rückblickend) sichtlich unzufriedener Stimmung startete, drehte sich nach seinem Treffer freudenstrahlend um und nahm den Vorlagengeber in den Arm. Obwohl dies nach den Abgängen von Messis Freunden Suarez und Vidal im Sommer gar unmöglich wirkte, war dies nicht das einzige Bild dieser Art in dieser Spielzeit: Mit Pedri scheint Messi jemanden gefunden zu haben, wie er selbst es vor vielen Jahren für den großen Ronaldinho gewesen war. Jemanden, den er zu jeder Zeit auf dem Platz sucht und dem er vertraut, die richtigen Entscheidungen zu treffen, den er allerdings auch so viel es geht unterstützt, ein noch besserer Spieler zu werden. Damit hat Pedri schon jetzt neben dem Zuspruch seines Trainers auch den Zuspruch seines Kapitäns und des wichtigsten Spielers im Kader (vielleicht sogar in der Geschichte) des FC Barcelona. Seinen Stammplatz hat er sich dennoch vor allem durch harte Arbeit, Konstanz und schönes Spiel erkämpft, und das trotz namhafter Konkurrenz in Form von Leihrückkehrer und Rekordeinkauf Philippe Coutinho oder auch „La Masia“-Juwel Riqui Puig. Obwohl er der jüngste der drei verfügbaren „Zehner“ im Kader ist, wirkt Pedri oft wie der routinierteste der Drei.

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Vom Talent in Las Palmas direkt zum Star in Barcelona? – Pedri brilliert beim FCB

Wer Pedri spielen sieht, denkt in den meisten Momenten nicht, dass es sich hier wirklich um einen gerade mal so volljährigen Teenager handelt. Zu abgeklärt wirkt er in vielen seiner Situationen (von einigen wenigen jugendlichen Schussel-Fehlern mal abgesehen). Man fühlt sich als „Culer“ stattdessen an einen anderen Spieler erinnert, den Pedri bereits in seinem ersten Interview als sein Idol ausgerufen hat und dessen Spielweise er durchaus glaubhaft imitiert: Andrés Iniesta. Ein Vergleich mit dem legendären Mittelfeldspieler ist aufgrund der Errungenschaften von Iniesta zwar aktuell noch ein wenig weit hergeholt, allerdings glänzte auch Iniesta seiner Zeit vor allem durch Passstärke, Ballsicherheit und eine filigrane Technik. Iniesta war von den drei Mittelfeldspielern in Guardiolas „Dream Team“ der mit Abstand beste Dribbler und gleichzeitig ein enorm wichtiger Ballverteiler, der als Achter das Mittelfeld in Manier eines Zehners mit der Offensive verbunden hat und bei Bedarf auch als invertierter Linksaußen aushelfen konnte. Diese taktische Variabilität besitzt auch Pedri. In dieser Spielzeit hat er bereits bewiesen, dass er sowohl als reiner Zehner oder als Linksaußen im 4-2-3-1 oder eben auch als etwas offensiverer Achter im 4-3-3 agieren kann. Auch Pedri glänzt durch starkes Dribbling und Kreativität; ist nach Lionel Messi der Spieler mit dem höchsten „Expected Assists“-Wert im Team (0,31 pro 90 Minuten). Seine Passstatistiken sind mit 60 gespielten Pässen pro Spiel (85% kommen dann auch an) zwar noch verbesserungswürdig im Vergleich zu seinen Mittelfeldkollegen (nehmen wir beispielsweise Nebenmann Frenkie De Jong; 77 gespielt und 90% davon erfolgreich) und auch seine Erfolgsquote im Dribbling (65% erfolgreich bei 1,7 Versuchen pro 90 Minuten) besitzt noch etwas Luft nach oben. Wenngleich sein Dribbling- und vor allem Passvolumen (speziell im Vergleich zu „Don Andrés“) aber noch ausbaufähig sind, so ist bereits jetzt zu erkennen, dass Pedri eine große Zukunft im Blau-Roten-Dress bevorsteht.

„Ich wusste, Barça hat ihn von Las Palmas verpflichtet, und ich habe Bilder von seinem Spiel gesehen. Aber ich denke nicht, dass irgendjemand seinen Fortschritt, seine Karriere bis hierher so erwartet hat.“

Ronald Koeman über die rasante Entwicklung von Pedri (via bild.de)

Dass Pedri zu einem der größten Talente im Spanischen Fußball gehört, zeigte sich schon früh in seiner Karriere. Auch seine Ähnlichkeiten mit Iniesta waren offensichtlich. Schon Pedris Trainer bei Las Palmas, Pepe Mel, zog den Vergleich von seinem Schützling zu Barcas ehemaliger Nummer Acht: Pedri sei „ein Spieler vom Typ Barcelona […]. Ein Ort, an dem er sich perfekt einfügt. Pedri ist Iniesta sehr ähnlich“ [via transfermarkt.de]. Dass er definitiv ein „Typ für Barcelona“ ist, hat Pedri in seiner ersten (halben) Spielzeit für den Club bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Von jetzt an liegt es an ihm, sich weiterhin so gut zu entwickeln und weiterhin so gute Leistungen zu zeigen. Wenn er so weiter macht, ist es ohne Frage, dass er in Zukunft neben Frenkie De Jong und Ansu Fati zu einer der großen Säulen im FC Barcelona der Zukunft werden kann. Wenn dann die Zeit gekommen ist und sich seine Karriere bei den Katalanen dem Ende nähert, können wir entscheiden, ob er wirklich den Spuren seines großen Vorbilds gefolgt ist.

(Statistiken via fbref.com)

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