No Fati, no party? – Wie wird sich der FC Barcelona in Abwesenheit seines Juwels schlagen?

Der am Ende deutliche 5:2-Erfolg des FC Barcelona bei Betis Sevilla kostete die Katalanen einen sehr teuren Preis: Shooting-Star Ansu Fati hat sich am Knie verletzt und wird bis zu 4 Monate ausfallen. Wie können die Mannen aus der katalanischen Mittelmeermetropole diesen Verlust überstehen?

Der 18-jährige Shooting-Star fällt bis zur Rückrunde aus… wie geht der Verein jetzt mit diesem herben Verlust um?

Beeindruckende 5 Tore und 2 Vorlagen in 10 Spielen in Liga und Champions-League: So sehen die Statistiken von Anssumane „Ansu“ Fati Vieira in dieser Saison bisher aus. Der junge Spanier mit Wurzeln in Guinea-Bissau ist nach Lionel Messi der zweitbeste Scorer (und der beste aus dem Feld; Messi hat immerhin fünf seiner sechs Treffer vom Punkt erzielt) im Team und war damit bisher DER Torgarant bei den Katalanen. Trotz seiner jungen 18 Jahre hat sich Fati gegen namenhafte Konkurrenten wie Ousmane Dembele durchgesetzt und auf dem linken Flügel quasi eine Start-Garantie. Nach solchen Höhenflügen diese Saison folgte nun tragischerweise ein Rückschlag: Fati hat sich einen Meniskusriss im linken Knie zugezogen und wird dem Verein so zwischen drei bis vier Monaten fehlen. Wie können die „Blaugrana“ den Verlust ihres neuen Star-Stürmers aufwiegen?

Die Optionen

Um diese Frage zu beantworten, sollte erst einmal klar gemacht werden, wer aktuell überhaupt für die Startplätze in der Offensive in Frage kommen würde und wie Barcelona nach der Länderspielpause überhaupt auflaufen könnte. Zur Auswahl stehen für diese vier Plätze:

  • Lionel Messi
  • Antoine Griezmann
  • Ousmane Dembélé
  • Pedri Gonzales
  • Francisco Trincao
  • Konrad De La Fuente
  • (soweit wieder Fit:) Philippe Coutinho

Messi ist natürlich gesetzt (nominell entweder als Stürmer oder als rechter Flügel) und auch Antoine Griezmann (ebenfalls als Stürmer, Rechtsaußen oder auch als Zehner) dürfte seinen Startplatz nach zuletzt besseren Leistungen wieder sicher haben. Sollte Coutinho nach der Länderspielpause noch nicht vollends genesen sein, dürften die beiden also weiterhin im Zentrum gesetzt sein. Die Flügelpositionen dürften jedoch deutlich stärker umkämpft sein. Sehen wir uns die Kandidaten doch mal genauer an:


DER LOGISCHE…VORGÄNGER?

Zuerst wäre da Ousmane Dembélé, der auch schon vor Fatis Verletzung (ungefähr seit der Verletzung von Philippe Coutinho) immer mehr Einsatzzeit von Trainer Ronald Koeman erhalten hat (wenngleich auf dem anderen Flügel oder als Einwechselspieler). Der Franzose, der in der Vergangenheit häufig mit Verletzungssorgen und Disziplinlosigkeit zu kämpfen hatte, scheint nach drei langen Jahren endlich in Barcelona angekommen zu sein. Bereits drei Treffer hat der Weltmeister von 2018 in der aktuellen Saison erzielt (einer mehr als Landsmann Antoine Griezmann, der bei fast doppelt so vielen gespielten Minuten steht), dazu kommt noch eine Vorlage. Dembélé gibt dem Team vor allem zwei Dinge: Breite im Spielaufbau und Geschwindigkeit. Vor allem in seinen Kurzeinsätzen gegen die müden Beine von Kiew oder Ferencvaros in der Champions-League wurde wieder einmal deutlich, wie unglaublich schnell, trickreich und unberechenbar der weiterhin erst 23-jährige Franzose im Dribbling eigentlich ist. Seine Stärke im 1-gegen-1 gibt dem Team den notwenigen „Punch“, um auch tiefer stehende Abwehrreihen mühelos auszuhebeln. Dembélé versteht es, sowohl durch Läufe in die Tiefe als auch durch gut getimte Pässe Räume aufzureißen und dem Team so Angriffschancen zu liefern, die es ohne „echten“ Flügelspieler nicht hätte. Wäre Dembélés Formkurve weiter so steil angestiegen, hätte Koeman sowieso früher oder später darüber nachdenken müssen, dem hochveranlagten Franzosen mehr Spielzeit zu geben; Ansu Fatis Verletzung dürfte dementsprechend nur der Auslöser werden, wieso der ehemalige BVB-Star endlich wieder in die Startformation zurückkehrt. Da Dembélé von allen aufgelisteten Flügeln durch seine Beidfüßigkeit der flexibelste ist, könnte er außerdem sowohl links als auch rechts starten.

Kann “Dembouz” sich endlich in der Startelf festsetzen?

DER LIEBLING

Pedri Gonzalez ist noch jünger als Ansu Fati, hat aber ebenfalls bereits einen kometenhaften Aufstieg in der katalanischen Metropole genommen: Der Neuzugang von Las Palmas (Ablöse: im Nachhinein mickrige wirkende fünf Millionen Euro) steht nach 10 Einsätzen bei zwei Treffern (genauso viele wie Griezmann…) und überzeugt vor allem durch seine technische Klasse und seine Abgeklärtheit. Wenn man Pedri zuschaut, sieht man keinen Teenager, der gerade seine erste Saison bei einem Top-Club spielt, sondern einen völlig ruhigen und abgeklärten Spieler, der sich hervorragend ins Team eingefunden hat. Besonders seine Auftritte gegen Juve in der Champions-League, wo er Juan Cuadrado nicht nur einmal alt aussehen lassen hat, oder auch seine Performance gegen Getafe, wo er als einziger eine lebhafte Komponente in der sonst faden Offensive darstellte, sind dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Pedri verfügt über enormes Potential, welches er schon jetzt auf den Platz bringt. Einzig seine Rolle in einem System ohne echten Flügel wie Ansu Fati wäre fragwürdig. Er hat zwar bereits als Linksaußen (eben im Juve-Spiel) gespielt, allerdings fühlt sich der junge Spanier im Zentrum deutlich wohler. Das Zusammenspiel zwischen ihm, Messi und Griezmann, wenn alle drei zusammen auf dem Platz standen, hat deshalb häufig nicht vollends funktioniert. Dennoch hat Koeman in diesem Jahr Pedri schon häufiger auch in schwereren Spielen (Juve sowie natürlich der Ritterschlag: der Startplatz im El Clasico, wo er im Übrigen rechts aufgelaufen ist) vertraut, er dürfte das also auch weiterhin tun. Da Pedri eher der Typus „Flügelspielmacher“ ist, der selber viel den Weg ins Zentrum sucht, wäre es außerdem auch ihm zuzutrauen, auf beiden Flügeln zum Einsatz zu kommen.

Bleibt Pedri auch ohne “echten Flügel” ein Stammspieler?


DER EIGENTLICHE KONKURRENT

Neben Pedri kam noch ein anderes junges Talent im Sommer in die Mittelmeermetropole: Für 31 Millionen Euro wechselte Francisco Trincao von Sporting Braga zum FC Barcelona. Trincao, der im letzten Jahr seine erste richtige Profisaison gespielt hat, überzeugte vor allem durch seine Stärke in 1-gegen-1-Duellen sowie seinen Torriecher: 8 Tore sowie 6 Vorlagen in der portugiesischen „Primeira Liga“ sprechen für sich. Es folgte der bereits im März perfekt gemachte Wechsel zu Barcelona, wo er mit verhältnismäßig wenigen Erwartungen empfangen wurde. Zu wenig wussten die meisten „Cules“ über den 20-jährigen Portugiesen, der neben seinen 27 Einsätzen in der portugiesischen Liga noch 6 weitere Male in der Europa-League zum Einsatz kam. Nach starken Auftritten in der Vorbereitung konnte Trincao sich zwar keinen Startplatz in der umkämpften Offensive der Katalanen erkämpfen, allerdings hat er sich als einer der Top-Einwechselkandidaten von Trainer Ronald Koeman herauskristallisiert: Von seinen neun Einsätzen in Liga und Champions-League kamen Ganze 8 von der Bank, nur gegen Ferencvaros durfte er von Beginn an ran. Im Gegensatz zu anderen den jungen Neuzugängen (Pedri, Dest) leidet Trincao allerdings auch etwas mehr unter Anpassungsschwierigkeiten; zudem merkt man ihm an, dass er eben doch erst zwanzig Jahre alt ist: Zu häufig trifft er noch die falschen Entscheidungen oder hat den Kopf unten und übersieht so seine Mitspieler. Die Verletzung von Ansu Fati, der vor der Saison neben Dembélé als sein größter Konkurrent ausgemacht wurde, dürfte ihm trotz dessen noch mehr Einsatzzeit ermöglichen als zuvor, wodurch er sich noch mehr in seinem neuen Umfeld einspielen kann. Sollte er irgendwann das Selbstbewusstsein finden, dass ihn in Portugal ausgemacht hat, wird er zweifelsohne eine starke Alternative für die Mannschaft von Ronald Koeman werden.

Kann Trincao sich gegen Dembélé als bester Flügel behaupten?

DIE ZUKÜNFTIGE ALTERNATIVE

Mit Konrad De La Fuente steht neben Ansu Fati noch ein weiterer Offensivmann aus der eigenen Jugend für Ronald Koeman zur Auswahl. Vor der Saison noch als möglicher Konkurrent für Ousmane Dembélé ausgerufen, hat der 19-jährige aktuell allerdings noch keinen einzigen Einsatz vorzuweisen. Sollte es eine weiter Verletzung in der Offensive oder auch ein leichtes Erstrundenspiel in der Copa Del Rey geben, dürfte der US-Amerikaner eine solide Alternative darstellen. Ansonsten dürfte es, auch aufgrund der Kaderstärke auf den Flügeln, allerdings noch schwierig werden, an Einsatzzeiten zu gelangen.

Kommt Konrad in Abwesenheit Fatis zum Debüt?

DER RÜCKKEHRER

Im letzten Sommer noch als Streichkandidat ausgerufen, wurde Philippe Coutinho durch die Ankunft von Ronald Koeman und die Umstellung auf ein 4-2-3-1 zum großen Gewinner des eingeleiteten Umbruchs (Vielleicht hatte er bei seinen zwei Treffern gegen seinen Club im Champions-League Viertelfinale schon eine Ahnung?). Endlich auf seiner geliebten Zehner-Position aufgestellt, glänzte der Brasilianer, der bis heute der Rekordeinkauf der „Blaugrana“ ist, durch Selbstbewusstsein und vor allem Einsatz im Pressing. Coutinho hatte in München viel dazugelernt, und diese neu gefundene Arbeitsmoral hilft ihm jetzt auch bei seiner Rückkehr zum FC Barcelona. Zwei Tore und zwei Assists konnte der Brasilianer bis zu seiner Verletzung erzielen; in der Startelf war er dabei eigentlich so gut wie gesetzt. Koeman hatte schon kurz nach seiner Einsetzung als Trainer betont, auf Coutinho setzen zu wollen, und der 28-jährige hat den Holländer nicht hängenlassen. Es wird davon abhängen, wie schnell Koeman ihn nach seiner Genesung wieder ins Team integrieren will, ob Coutinho sofort oder erst mit der Zeit wieder zum absoluten Stammspieler wird. Nach seinen Leistungen in den ersten Saisonspielen scheint es jedoch ausgeschlossen, dass er nicht genau da weiter machen wird, wo er aufgehört hat: Mit guten und engagierten Leistungen.

Wie passt Coutinho nach seiner Rückkehr in die Mannschaft?

Zusammenfassung:

Von den nicht-argentinisch-stämmigen Offensivkräften dürften alles in allem Griezmann, Dembélé, Pedri und Coutinho die meisten Chancen auf viel Einsatzzeit haben. Mit Coutinhos Rückkehr dürfte dieser wohl wieder den Stammplatz auf der „Zehn“ erhalten, wodurch entweder Messi oder Griezmann wohl wieder auf den rechten Flügel rausrücken werden und dementsprechend nur die Position von Ansu Fati auf links zu besetzen wäre (auch denkbar wäre natürlich, dass Coutinho, wie schon in Liverpool, als invertierter Linksaußen spielt; das würde allerdings nur den anderen Flügel frei machen und dementsprechend nicht viel ändern). Die größten Chancen auf den verbliebenen Platz dürften wohl entweder Dembélé oder Pedri haben (mit Trincao als erster Alternative), wovon Dembélé durch die rein systematisch deutlich besseren Voraussetzungen als „echter Flügelstürmer“ wohl die Nase vorn haben dürfte. Eine Kette aus Coutinho, Pedri und Messi/Griezmann hat einfach nicht genug Breite auf den Flügeln; eine Komponente, die den Katalanen in den Vergangenen Partien durch die Anwesenheit von Fati oder eben Dembélé (oder sogar beiden) deutlich mehr offensive Möglichkeiten gegeben hat. Pedri hingegen wird so oder so zu seinen Möglichkeiten kommen und hat, im „Schatten“ von Coutinho, dann auch deutlich weniger Druck, sofort Leistung bringen zu müssen (so gut seine Auftritte aktuell auch sind). Für Trincao dürften hingegen die Joker-Einsätze sowie eventuelle Ausflüge in die Startelf noch häufiger/mit steigender Minutenzahl kommen, während durch den frei gewordenen Kaderplatz vielleicht sogar De La Fuente auf sein Liga-Debüt bei den „Großen“ hoffen darf. Ansu Fatis Ausfall wird dem Team zweifelsohne schaden, allerdings eröffnet er auch Chancen für seine Konkurrenten, um zu beweisen, wie wichtig auch sie für die Mannschaft sein können.

Schreibe einen Kommentar