Hard(en) Business – Wohin könnte es „The Beard“ als nächstes ziehen?

Nachdem er wieder frühzeitig aus den Playoffs ausgeschieden ist, will James Harden nun die Reißleine ziehen und Houston verlassen. Wer könnte zum Abnehmer für den Star der Rockets werden...sollten sie ihn überhaupt abgeben wollen?

Wer ist im Markt für den MVP von 2018 und wie könnte ein Trade überhaupt zustande kommen?

Erst anderthalb Monate liegt Spiel 6 der letzten NBA-Finals zwischen den Miami Heat und den Los Angeles Lakers zurück. Viel ist seit dem passiert. Die Liga hat sich in Absprache mit Franchises und Spielern auf eine verkürzte Saison geeinigt und peilt den Startschuss für die Saison 20/21 für die Weihnachtsfeiertage an. Das bedeutet, dass die „Offseason“, die sich für gewöhnlich über den ganzen Sommer erstreckt, in diesem Jahr auf knapp zwei Monate gekürzt werden musste. Dabei muss in solch einer Offseason viel passieren…speziell in Zeiten, die weiterhin stark durch die Auswirkungen der globalen Pandemie geprägt sind. Zuerst wäre da einmal der Draft. Dieser wurde nun Ende der vergangenen Woche durchgeführt, brachte allerdings durch die begrenzten Informationen aufgrund von a) einem fehlenden „March-Madness“-Turnier beziehungsweise generell stark verkürzten Saisons sowie b) auch nur begrenzt möglichen „Team-Workouts“ im Vorfeld einige Fragezeichen mit sich. Im Anschluss (beziehungsweise in Zeiten von „Player Empowerment“ auch schon davor) begann außerdem die Free Agency, bei der Spieler mit ausgelaufenem Vertrag mit anderen Franchises über eine mögliche Zukunft verhandeln können. Das wichtigste ist allerdings die Öffnung der Trade-Saison, die bereits kurz vor dem Draft wieder begann. Experten wie Shams Charania oder Adrian „Woj“ Wojnarowski waren seit Beginn der Wechselperiode wieder fleißig am tweeten. Neben Berichterstattung über Star-Deals wie „Chris Paul zu den Suns“ oder auch „Kelly Oubre Jr. zu den Golden State Warriors“ waren die Medien in den letzten Tagen allerdings vor allem durch ein Gerücht bestimmt: den möglicherweise bevorstehenden Abgang von James Harden aus Houston.

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Der MVP von 2018 soll beim neu formierten Front Office der Houston Rockets dabei nicht nur eine Trade-Anfrage eingereicht haben, sondern sogar eine Vertragsverlängerung abgelehnt haben, die ihm jährlich über 50 (50!!!) Millionen US-Dollar eingebracht hätte. Damit wäre er mit großem Abstand der bestverdienende Profi der Liga geworden…trotz finanziell schädlicher globaler Krise, die außerdem Houston-Owner Tilman Fertitta besonders hart getroffen haben soll. Trotz dessen scheint der Scoring-Champ der letzten zwei Jahre nun ernsthafte Wechselgedanken hegen. Abnehmer ließen sich verständlicherweise viele finden; Harden ist immerhin einer der besten Scorer der letzten 10 Jahre. Allerdings ist weniger klar, welches Franchise tatsächlich auch die Ressourcen aufbringen könnte, um den Rockets einen Abgang ihres Fracnhise-Players überhaupt schmackhaft zu machen. In den Medien waren in den letzten Tagen deshalb vor allem zwei Teams als potentielle Abnehmer gehandelt worden: die Brooklyn Nets um den wiedergenesenen (Harden-Buddy) Kevin Durant sowie die Philadelphia 76ers, bei denen seit neustem Hardens Ex-GM Daryl Morey die sportlichen Entscheidungen trifft. Beide Teams könnten durchaus lukrative Trade-Pakete schnüren, es ist also an der Zeit zu sehen, was wer bieten kann und anschließend einzuschätzen, wer denn nun das bessere Paket hat.

BROOKLYN NETS

Die Nets sind vor allem im Gespräch, weil sie das erklärte Ziel von Harden sein sollen. Und es ergibt auch Sinn, wenn man mal darüber nachdenkt: Harden will wohl unbedingt zu einem direkten Championship-Contender, und jedes Team mit Kevin Durant (selbst wenn dieser von eine ganze Saison verletzt aussetzen musste) ist automatisch auch ein Anwärter auf den Titel. Zu Durant gesellte sich in der letzten Offseason bereits Kyrie Irving, wodurch eine Hinzunahme von Harden eine „Big Three“ mit unendlicher Offensivkraft geformt werden würde, die sämtlichen Teams das Fürchten lehren dürfte (man bedenke, dass auch Durant bereits Scoring-Champion UND MVP war). Das Trade-Paket der Nets wäre höchstwahrscheinlich um die verbliebenen „jungen Nets“ aufgebaut und dürfte dementsprechend sowohl Shooting Guard Caris LeVert als auch Point Guard Spencer Dinwiddie und Center Jarret Allen beinhalten. Alle drei gehörten auch schon zum Team, das 2019 überraschend in die Playoffs einzog und dort sogar (ironischerweise) den Sixers in Runde 1 eine gute Serie lieferte. Zu den drei Spielern dürfte sich außerdem noch eine Menge an zukünftigem Draft-Kapital gesellen.

PHILADELPHIA 76ERS

Die „Sixers“ kommen gerade aus einer desaströsen Postseason, in der man glanzlos in der ersten Runde von den Boston Celtics gesweeped wurde. Der „Process“ in Philadelphia scheint zum Stehen gekommen zu sein, weshalb das Front Office zum Handeln gewzungen war: Der seit längerem in der Kritik stehende Brett Brown wurde durch Doc Rivers ersetzt und Elton Brand erhält für die Kader-Entscheidungen jetzt die Unterstützung von Daryl Morey, einem der meistgefragtesten GMs der Liga. Auch die Sixers sollen für Harden eine valide Option darstellen, immerhin würde er dort auf mindestens einen von Joel Embiid und Ben Simmons treffen sowie mit Daryl Morey auf seinen alten Förderer. Ein Trade-Paket der Sixers würde allerdings definitiv einen von entweder Simmons oder Embiid erfordern; der restliche Kader verfügt einfach nicht annähernd über genügend Trade-Wert. Was man so hört soll Simmons wohl der wahrscheinlichere Abgang sein; dementsprechend wäre ein mögliches Paket um ihn aufgebaut. Der All-Star Guard allein verfügt aber bereits über enormen Wert, weshalb er allein (plus einige wenige Picks) schon ausreichen dürften, um die Rockets wenigstens zum Nachdenken zu bewegen.

WER IST BESSER?

Wie wir sehen, sind also beide Teams durchaus gute Optionen für „The Beard“. Beide bringen allerdings auch ihre Probleme mit sich: Bei Brooklyn ist es die Qualität der Einzelspieler, bei Philly eher die Rahmenbedingungen des Deals.

Basketball ist, im Gegensatz zu Fußball oder Football, durch die kleineren Teams und das kleinere Spielfeld deutlich mehr von individuellen Performances abhängig als andere Sportarten, weshalb es nicht unbedingt immer Sinn macht, einen Top-Tier Superstar gegen mehrere solide Spieler einzutauschen…so auch im Falle des Nets-Trades. Bill Simmons von „The Ringer“ beschrieb das Ganze in seinem Podcast als „Four Dimes don’t make a dollar“. LeVert, Allen und Dinwiddie mögen alle gute Spieler sein, allerdings ist keiner von ihnen auf All-Star, geschweige denn von (wie Harden) MVP-Kaliber. Dazu kommt der Fakt, dass die Draft Picks, welche die Nets abgeben könnten, vor allem in naher Zukunft weniger in der Lottery, sondern vielmehr in den mittleren bis hohen zwanzigern und damit am Ende der ersten Runde zu finden sein dürften…zu viel Qualität hätte ein Team mit Durant, Irving und Harden.

Bei Philly würde durch Simmons zwar schon eher die Spielerqualität stimmen (Simmons ist bereits Zweifacher All-Star und war dieses Jahr sowohl im All-Defensive-Team als auch im 3rd-Team-All-NBA), allerdings ist es fraglich, ob die 76ers ihn auch wirklich abgeben wollen. Morey hat bereits in mehreren Interviews beteuert, dass das Tandem aus Simmons UND Embiid (zwei Superstar, die gerade mal Mitte 20 sind) der Grund für ihn (und in diesem Sinne auch für Coach Doc Rivers) war, überhaupt zu den Sixers zu kommen. Hinzu kommt noch der Fakt, dass Morey ja bekanntlich ex-Rockets-GM war und anscheinend nicht unbedingt im Guten das Team verlassen hat. Es ist fragwürdig, ob Team-Besitzer Fertitta einem Trade von Harden hin zu Morey überhaupt zustimmen würde.

FAZIT

Stand jetzt ist die Zukunft von James Harden dementsprechend noch offen. Die Rockets könnten genauso gut versuchen, mit ihm in die Saison zu starten und ihm, mit neuem Supporting Cast, entweder zum Bleiben zu überreden oder eben bei noch gestiegenen Wert vor Ende der Trade-Deadline bei einem passenden Angebot abzugeben. So oder so, die Zukunft von James Harden scheint auf kurz oder lang nicht mehr in Houston zu sein. Es heißt früher oder später sowieso: Ade Harden.

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