(Haa)Land in Sicht! – Wo geht es als nächstes hin für “Golden Boy” Erling Haaland?

Der junge Norweger konnte bisher auf sämtlichen seiner Stationen überzeugen und scheint bereit für den "nächsten Schritt". Allerdings ist noch unklar, wohin dieser Schritt genau gehen könnte. Eine Analyse über die mögliche Zukunft von Erling Braut Haaland.

Ob bei Molde, in Salzburg oder beim BVB…
Der norwegische Shooting-Star hat bisher bei jeder seiner Stationen restlos überzeugt. Wo führt ihn sein Weg an die Spitze des Weltfußballs als nächstes hin?

Erling Braut Haaland ist ohne Zweifel eine der heißesten Personalien der aktuellen Fußball-Saison. Der Norweger, der noch vor knapp einem Jahr in der österreichischen Bundesliga für Furore sorgte, wurde immerhin zum „Golden Boy“ des Jahres 2020 gewählt. Und das zu Recht: Ganze 23 Tore knipste der gerade einmal 20-jährige bereits in diesem Kalender Jahr für seinen neuen Arbeitgeber…und das sind nur die reinen Bundesliga-Treffer. Hinzu gesellen sich schließlich auch noch 8 Treffer in der Champions-League. Zwei davon kamen unter anderem gegen den späteren Finalisten Paris Saint-Germain, dessen Spieler sich so stark vom 1,94m-Mann haben provozieren ließen, dass sie als Gruppe sogar seinen Jubel, den „Meditationssitz“, kopieren mussten. Haaland ist dementsprechend schon jetzt einer der gefürchtetsten Stürmer in ganz Europa, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Wieso fürchten seine Gegner ihn so sehr?

Haaland brilliert schon jetzt in Dortmund…aber für wie lange noch?

In der aktuellen (wie auch in der vergangenen, wenngleich zum Teil in einer schwächeren Liga) Saison ist dies, neben seinen unglaublichen physischen Voraussetzungen bei 1,94m Körpergröße mit sehr gutem Sprinttempo, vor allem auf seine herausragende Torquote zurückzuführen: Seine insgesamt 16 Treffer in der aktuellen Saison 2020/2021 kamen immerhin aus gerade einmal 13 Spielen. Damit kommen wir auf eine Quote von 1,36 Toren pro 90 Minuten (bzw. 1,38, wenn nur die 8 Bundesliga-Partien allein betrachtet werden). Das bringt Haaland aktuell auf Rang 5(!) unter sämtlichen Stürmern in Europas Top-5-Ligen (Bundesliga, Premier League, La Liga, Serie A und Ligue 1). Vor ihm stehen hier Namen wie Christiano Ronaldo, Zlatan Ibrahimovic, Robert Lewandowski und (jetzt wird es interessant) Andrej Kramaric. Bei ebenfalls 1,38 Tore pro 90 Minuten steht außerdem ebenfalls ein gewisser Kylian Mbappe, seines Zeichens ebenfalls „Golden Boy“-Preisträger im Jahr 2017. Haaland wird generell häufig mit dem hochveranlagten Franzosen verglichen; beide gehören immerhin zu den größten Stürmerhoffnungen des nächsten Jahrzehnts. Beide teilen sich auch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie werden durchgehend mit allerlei Transfergerüchten in Verbindung gebracht. Hiermit kommen wir zu der quintessenziellen Frage dieses Kommentars: Wohin könnte es Erling Braut Haaland als nächstes hin verschlagen, sollte er, wie von Anfang an eigentlich unvermeidbar, den BVB irgendwann wieder verlassen?

Eigentlich müsste jetzt zuerst geklärt werden, wie und wann ein Transfer dieser Größenordnung wohl am besten zustande kommen könnte, allerdings lässt die aktuelle Faktenlage (im Folgenden werde ich mich auf Aussagen von Transferexperte Fabrizio Romano beziehen) hier einen ziemlich einfachen Schluss zu: Sommer 2022, 75 Millionen Euro. So machen es wohl zumindest die Rahmendaten von Haalands Vertrag in Dortmund möglich. Laut Romano soll ab Sommer 2022 nämlich eine Ausstiegsklausel im Vertrag des Norwegers greifen, die ihm einen Wechsel zu diesem für einen Spieler seines Kalibers und vor allem Alters doch eher humanen Preis ermöglichen würde. Ohne diese Klausel (also zum Beispiel im nächsten Transfersommer 2021) würde der BVB ihn wohl kaum zu diesem Preis verkaufen (Beispiel: Ousmane Dembélé oder zuletzt auch die Verhandlungen mit Manchester United über Jadon Sancho) und zu allem Überfluss wird auch die finanzielle Lage potentieller Abnehmer für den 20-jährigen bis zum nächsten Sommer kaum viel besser stehen als dies nach der Corona-Pandemie aktuell der Fall ist.

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Jubelt Haaland bald für ein anderes Team?

Die Kandidaten

Ein Transfer vor dem Sommer 2022 kommt deshalb (so der BVB und Watzke nicht doch noch ein Ass im Ärmel haben, um den Norweger von einer höher angelegten Ausstiegsklausel zu überzeugen) eher nicht in Frage, weshalb wir diesen Zeitraum also als gesetzt im Hinterkopf behalten werden. Beginnen wir nun mit der Analyse seiner potentiellen Abnehmer. Die Anzahl der realistischen Abnehmer würde ich hierbei auf 8 begrenzen. Diese wären meiner Meinung nach:

  • Liverpool
  • Manchester City
  • Manchester United
  • Real Madrid
  • Barcelona
  • Juventus Turin
  • Paris Saint-Germain
  • Sowie zuletzt der FC Bayern München

Auch nicht undenkbar wären beispielsweise Chelsea, Tottenham oder Inter Mailand, allerdings sehe ich sie entweder nicht als realistische Ziele für Haaland (Inter, nach diesem Sommer auch Chelsea) oder sie haben bereits einen starken, noch relativ jungen Stürmer in ihren Reihen (Tottenham). Ich werde die oben genannten in der Reihenfolge abarbeiten, wie ich ihre Chancen einschätze, Haaland tatsächlich zu verpflichten.


8. Manchester United

Die Red Devils waren Medienberichten zufolge auch schon im Winter 2019/2020, also als Haaland noch in Salzburg war, stark am Norweger interessiert. Der Transfer scheiterte an Haaland selbst, der Dortmund als den besseren Karriereschritt auserkoren hatte (er sollte wohl recht behalten) und dementsprechend den Wechsel nach Deutschland bevorzugte. United hat mit Marcus Rashford sowie Mason Greenwood zwar zwei hochveranlagte Spieler aus der eigenen Jugend in ihren Reihen, die die Rolle des „Neuners“ ausfüllen können, allerdings wäre Haaland ein eindeutiges Upgrade über beide. Dennoch sind die Red Devils von der Strahlkraft her in den letzten Jahren der wohl schwächste Kandidat geworden, auch aufgrund der doch sehr schwankenden Saisonergebnisse. Wenn United sich in der zugegeben stark umkämpften Premier League nicht auf den Champions-League-Plätzen festbeißen kann, sind sie einfach eine Nummer zu klein für den 1,94-großen Norweger.

7. Paris Saint-Germain

Die aus Abu-Dabi unterstützten Pariser sind für ihre horrenden Ablösesummen bekannt, man denke an Neymar (222 Millionen Euro) oder den eben genannten Kylian Mbappe (180 Millionen Euro). Am Geld mangelt es den Parisern also sicher nicht…aber woran dann? Tja, die französische Liga ist, so gute Talente sie auch hervorbringt, aktuell einfach nicht auf einem Level mit den restlichen Top-Ligen Europas. Natürlich waren letzte Saison gleich zwei Teams im Champions-League Halbfinale, allerdings darf das als Ausrutscher in einer etwas komplizierten Saison angesehen werden (Lyon ist nicht einmal qualifiziert dieses Jahr und PSG selbst tut sich ebenfalls schwer). Dementsprechend fehlten nach Neymar und Mbappe auch die nächsten ganz großen Transfers seit 2017; stattdessen werden beide Stars sogar eher mit Abgängen in Verbindung gebracht. Paris ist für Fußballer einfach immer noch nicht der „Place to be“.

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Hier ging es noch gegen PSG…strümt Haaland bald für die Pariser?

6. Real Madrid

Die „Blancos“ sind unter Florentino Perez vor allem für eines bekannt geworden: die Transferpolitik der „Galacticos“, bei der immer die größten Namen nach Madrid transferiert werden sollten. Und während diese Strategie in den letzten Jahren etwas ins Straucheln geraten ist, so hört man aus verschiedenen Ecken, dass Real dies in den nächsten Transfersommern gerne wieder ändern möchte. Die Namen auf der Einkaufsliste? Nun, da hätten wir eben Erling Braut Haaland von Borussia Dortmund. Direkt darüber steht aber noch ein anderer, sündhaft teurer Spieler, der sich bereits Weltweit einen Namen gemacht hat: Kylian Mbappe. Der Franzose ist ebenfalls gerade erst 21 (wird im Kalenderjahr 2020 allerdings noch 22) und soll mit seiner aktuellen Situation in Paris höchst unzufrieden sein. Gleichzeitig ist Mbappe seit seiner Kindheit Madrid-Fan (so ziemlich jeder Fußballfan kennt wohl das Kinderfoto, auf dem ein junger Mbappe umringt von Real Madrid Postern auf seinem Bett posiert) und wurde auch in der Vergangenheit schon stark mit einem Wechsel in die spanische Hauptstadt in Verbindung gebracht. Ob Real tatsächlich Platz für zwei Mittelstürmer dieses Kalibers hat (beziehungsweise in zwei Sommern in Folge Financial Fair Play-bedingt so viel Geld aufbringen kann), ist allerdings fraglich.

5. FC Barcelona

Der FC Barcelona ist wohl der Club, der einen Spieler vom Spielerprofil und vor allem vom Kaliber eines Erling Haaland aktuell am meisten gebrauchen könnte: Nach dem (etwas unrühmlichen) Abgang von Luis Suarez im Sommer steht man immerhin ohne „echten Neuner“ von Startelf-Niveau da (sorry, Martin). Wobei man hier fast sagen muss: Selber schuld! Die Katalanen hatten, laut Javier Bordas, einem ehemaligen Führungsmitglied unter Bartomeu, Haaland bereits in Molde-Zeiten ausfindig gemacht. Eine Verpflichtung scheiterte an der „fehlenden Barca-DNA“ von Haaland. Stattdessen wurden hinter Luis Suarez große Barcelona-Stars wie Kevin-Prince Boateng oder eben (erneut, sorry-) Martin Braithwaite verpflichtet. Joan Laporta, Präsidentschaftskandidat für die Wahl im Januar, hat auch bereits angekündigt, diesen Fehler wiedergutmachen zu wollen und, so er gewählt wird, Erling Haaland nach Barcelona zu lotsen. Wie er das in dieser finanziell prekären Lage, die sich realistisch betrachtet in den nächsten anderthalb Jahren auch nicht enorm verbessern dürfte, zustande bringen will, bleibt sein Geheimnis.

Der Norweger ist das erklärte Ziel mehrerer Präsidentschaftskandidaten…reicht das Geld bis dahin wieder aus?

4. Juventus Turin

Die „alte Dame“ aus Turin mischt eigentlich immer mit, wenn ein großer Name durch die Gazetten schwirrt. Der Kader von Andrea Pirlo benötigt, trotz einiger Lichtblicke in Form von „Golden Boy“ 2018 Matthijs de Ligt oder Neuverpflichtung Dejan Kulusevski, dringend eine Frischzellenkur. Juve ist hat trotz des alterenden Kaders stets eine talentierte Mannschaft, braucht aber, um eben über die nationalen Erfolge hinauszukommen, noch etwas mehr. Cristiano Ronaldo konnte ihnen dieses „gewisse Etwas“ nicht geben…vielleicht kann es ja ein dann 22-jähriger Norweger? Oder ist auch Juve bereits vom „Paris-Syndrom“ erfasst worden, und eigentlich gar nicht mehr der Top-Landeplatz für Talente von Welt-Niveau…speziell, wenn CR7 bis dahin schon wieder woanders spielt?

3. FC Bayern München

Die Bayern und einen Top-Stürmer aus Dortmund holen? Nein, kommt mir nicht bekannt vor…Spaß beiseite; wenn die Bayern tatsächlich Haaland verpflichten würden, wäre das natürlich das ultimative Lewandowski-2.0-Szenario (vielleicht sollte man es in München gerade deshalb in Erwägung ziehen…?). Der Pole wird mit seinen 32 Jahren (2022 dann sogar schon 34) auch nicht jünger, man könnte sich also durchaus nach einem Nachfolger von Welt-Kaliber umsehen. Allerdings ist fraglich, ob Aki Watzke und Co. einem solchen Deal nicht jedwede Art von Steinen in den Weg legen würden. Bayern München dürfte der letzte Club sein, von dem der BVB die knapp 70 Millionen-Ausstiegsklausel für Haaland überwiesen haben will, was man dem Norweger sicherlich auch einbläuen wird (man hat natürlich theoretisch kein Mitspracherecht, allerdings ist schon denkbar, dass trotz dessen stark auf Haaland eingewirkt werden wird). Zudem sind die Bayern nicht für ihre horrenden Gehaltszahlungen bekannt (zumindest im Vergleich mit extrem finanzstarken Parteien wie den Premier League Clubs), weshalb es nicht einfach sein dürfte, den Norweger bei so viel Konkurrenz von einem Wechsel nach München zu überzeugen. Aber wer weiß, bei Lewandowski hat es ja bekanntlich auch funktioniert…

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Tut Haaland es Lewandowski gleich und tauscht das gelbe für das rote Trikot?

2. Manchester City

Geld? Haben sie. Einen guten Trainer? Haben sie. Nationale Titel? Haben sie. Internationaler Erfolg? Fehlanzeige! Die „Skyblues“ suchen seit Jahren den Weg an Europas Spitze, für mehr als eine Halbfinal-Teilnahme in den letzten fünf Jahren hat es bisher dennoch nicht gereicht. Auch die Skyblues haben aktuellen einen der besten (wenngleich verletzungsanfälligsten) Stürmer der Welt im Kader: Sergio Agüero. Allerdings wird auch er nicht jünger; ist wie Lewandowski ebenfalls schon 32 Jahre alt. Mit Gabriel Jesus steht zwar eigentlich ein junger Stürmer in der Warteschlange, allerdings würde man den talentierten Brasilianer vermutlich herzlich gerne Abgeben, sollte man dafür den drei Jahre jüngeren Haaland bekommen können. City hat in den letzten Sommern versucht, den Kader zu verjüngen, in dieses Projekt würde Haaland dementsprechend auch altersmäßig gut hineinpassen. Allerdings könnte den Skyblues dafür eine Sache fehlen, und zwar…

1. Liverpool

…eine Champions-League-Trophäe im Schrank. Der LFC konnte seinen Titel im letzten Jahr zwar nicht (annähernd) verteidigen, ist aber trotz dessen aktuell das „Non plus ultra“ im englischen Fußball. Jürgen Klopp gehört, wie Pep Guardiola bei City, zu den besten Trainern der Welt, und hat es geschafft, die „Reds“ vom Tabellenmittelfeld bis an die Spitze Europas zu führen. Allerdings braucht die berüchtigte Dreierreihe an vorderster Front um Mohammed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino (alle drei 29) in naher Zukunft geeignete Nachfolger. Einer davon wurde in Form von Diogo Jota (vermutlich in Zukunft auf Links, ergo als Nachfolger von Mane) bereits gefunden, der nächste Nachfolger des Erfolgs-Trios soll nach Möglichkeit kommen. Wer wäre da besser geeignet, als der beste 20-jährige Stürmer der Welt? Liverpool wäre der ideale Ort für Haaland, um an Europas Spitze zu klettern, und so Jürgen Klopp potentiell zu seinem zweiten Henkelpott zu verhelfen. Eine Dreierreihe aus ihm, Jota und Spieler X (wen immer Liverpool in Zukunft als Nachfolger für Mohammed Salah eben aussucht) klingt bereits jetzt furchteinflößend…ganz zu schweigen, wie dies in anderthalb Jahren sein wird. Was sonst noch für den LFC spricht? Sie wissen, wie man Business macht. Schon in diesem Sommer hat man mit Diogo Jota einen guten Spieler bereits jetzt geholt, um die Übergangsphase von Salah-Firmino-Mané zu „whatever-comes-next“ zu erleichtern. Roberto Firmino wird immer wieder mit einem Abgang in Verbindung gebracht; einen Spieler wie Erling Braut Haaland würde man in Anfield mit Sicherheit mit offenen Armen empfangen.

Fazit

Natürlich lässt sich bis hierhin nur über die Zukunft von Erling Haaland spekulieren. Der junge Norweger gehört bereits jetzt zu den besten Stürmern, wenn nicht sogar Spielern, der Welt und es wirkt nicht so, als würde dies in Zukunft nachlassen. Der 1,94m große Norweger ist bereits jetzt ein Garant für wenigstens 20-30 Buden pro Saison, dies dürfte, nach der österreichischen und deutschen Bundesliga und anhand der Champions-League Performances, wohl auch auf jede andere Liga der Welt übertragbar sein. Egal, wo er am Ende landet, er wird diesen Club automatisch für die nächsten zehn Jahre zu einem ernstzunehmenden Kandidaten für den Champions-League-Titel machen. Wer am Ende der glückliche Gewinner der Haaland-Lotterie sein wird, bleibt allerdings abzuwarten, zu viele Variablen gibt es für den Zeitraum bis zum Sommer 2022 noch zu beachten. Wie sehen dann zum Beispiel die Finanzen und die restlichen Kader der Teams aus? Hat Haaland überhaupt tatsächlich eine Ausstiegsklausel? Welche Rolle spielt Star-Berater Mino Raiola? Diese Fragen werden vor der Gewinnausschüttung noch zu klären sein. Mein Geld setze ich trotz dessen auf den amtierenden englischen Meister aus Liverpool.

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