Frenkie! Bringst mir noch einen Achter hoch?!? – Die neue Rolle des Frenkie de Jong

Frenkie de Jong ist seit 2019 beim FC Barcelona - bisher noch ohne nennenswerte Erfolge. Langsam aber sicher entwickelt sich der Holländer jedoch zur großen Konstante im Team -auch dank einer neuen (alten) taktischen Änderung.

Nachdem zu Beginn der Saison die Doppelsechs in Ronald Koeman’s 4-2-3-1 nur bedingt erfolge produzierte, hat der holländische Coach das Team zurück auf ein 4-3-3 umgestellt. Einer der Gewinner dieser Umstellung: Frenkie de Jong.

Viel wurde von Frenkie de Jong erwartet, als er im Sommer 2019 für die stattliche Summe von 86 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona transferiert wurde. Nach einer Gala-Saison für den holländischen Rekordmeister, die ihr Highlight (um ein Lucas-Tor) beinahe in einer Champions-League Finalteilnahme gefunden hätte, waren die Erwartungen an den „Erben Cruyffs“ entsprechend hoch. De Jong kam als das Versprechen, zurück zum schönen Fußball der Vergangenheit zurückkehren zu wollen. Dass die Eingewöhnung an einen neuen Verein (speziell einen in der Größenordnung des FC Barcelona) allerdings selbst für einen 86-Millionen Mann nicht immer einfach ist, hat de Jongs mittelmäßig überzeugende erste Saison im Verein bewiesen. Dass er weder unter Ernesto Valverde, noch von seinem Nachfolger Quique Setien je in einer konstanten Rolle im Mittelfeld aufgeboten wurde und allgemein die Leistungen des Teams um ihn herum zu wünschen übrigließen, hielt Fans genauso wenig davon ab wie die Medien, mehr von „Frenkie“ zu fordern. Nach dem krachenden Aus in der Champions-League wurde deshalb vor allem von de Jong, als einem der neuen „Leader“ des Clubs, eine Verbesserung gefordert – die er nach einem Trainerwechsel und einer doppelten Systemumstellung nun langsam aber sicher auch konstant liefert.

“Er wird bei mir auf der gleichen Position (als Teil einer Doppelsechs; Anmerkung des Autors) wie bei Holland spielen. Ich habe ein Spiel Barcelonas besucht und dabei gesehen, wie er auf einer anderen Position gespielt hat. Dabei dachte ich: Das würde ich nicht tun.“

Ronald Koeman über Frenkie de Jong (Zitat via Barcawelt)

So sprach Ronald Koeman kurz nach seiner Anstellung über seine Pläne mit Frenkie de Jong. Knapp ein halbes Jahr später wird er sich diesbezüglich wohl einen Fehler eingestehen müssen. Extra für seinen jungen Landsmann wollte der Neu-Coach eigentlich das traditionelle 4-3-3 des FC Barcelona durch ein etwas „moderneres“ 4-2-3-1 ersetzen. Nachdem er nun nach sehr schwankenden Leistungen seiner Mannschaft doch wieder auf ein 4-3-3 zurückgestellt hat, wird auch Koeman bemerkt haben, dass er für sein vorhandenes Spielermaterial einen falschen Ansatz verfolgt hat. Während (vor allem) de Jong auf der Sechs neben Sergio Busquets (oder in Einzelfällen auch Miralem Pjanic) häufig vermehrt Passivität und fehlender Offensivdrang vorgeworfen wurde, wirkt dieser nach der (Rück-)Umstellung auf die Doppelacht wie ausgewechselt. Statt als Bindeglied zwischen Verteidigung und Mittelfeld zu agieren, der den Ball nahe bei der eigenen Abwehr aufnimmt und bestenfalls ca. an der Platzmitte an einen Mitspieler abgibt, steht de Jong nun etwas höher und bekommt dementsprechend auch erst im Mittelfeld den Ball, häufig von einem der beiden Innenverteidiger oder dem sich fallenlassenden Sergio Busquets. Von hier aus hat „Frenkie“ auf der halbrechten Position dann alle Freiheiten: Er kann mit Schwung auf die gegnerische Mittelfeldreihe zugehen und ins Dribbling gehen, um so Chancen zu kreieren, er kann allerdings auch den Ball direkt wieder weiterspielen und sich für Kombinationen anbieten. Dabei sind ihm nun, im Vergleich zum 4-2-3-1, nach vorne hin auch keine Grenzen mehr gesetzt. Wenngleich Ronald Koeman vor der Saison (und auch bevor er überhaupt den Barca-Job bekommen hatte) noch beteuert hatte, dass er in „Frenkie“ definitiv niemanden sehe, der im gegnerischen Strafraum zu finden sein sollte, werden vom Holländer im „neuen“ 4-3-3 nun auch häufig Läufe in de Spitze erwartet. Zuletzt war es deshalb häufig auch de Jong, der das von den Offensivspielern häufig eher verwaiste Zentrum in der Sturmspitze besetzt hat, um dort für Unordnung zu sorgen. Damit strahlt de Jong selbst deutlich mehr Torgefahr aus, als zuvor. Das spiegelt sich bereits in den reinen Zahlen wieder: Während „Frenkie“ bis Anfang Dezember, also vor der Umstellung auf die Acht, bei gerade einmal einer einzigen direkten Torbeteiligung stand (eine Vorlage), so hat er seit der Umstellung bereits 3 Tore selbst erzielt und noch zwei weitere vorgelegt.

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Ein gewohntes Bild: Frenkie de Jong ist im Dribbling nur schwer zu stoppen

Für die starke Veränderung von de Jongs Rolle sprechen auch die zugrundeliegenden Statistiken. So spielt er zwar im durchschnitt weniger Pässe, geht dafür aber auch häufiger direkt ins Dribbling als noch zu Beginn der Saison. Gepaart mit der Tendenz, dass seine Pässe und Dribblings diese Saison sowieso deutlich mehr progressive Distanz auf dem Feld zurücklegen (347 zu 257 Yards [also ca. 80 Meter mehr] mit Pässen pro Spiel sowie 244 zu 197 Yards (+45 Meter) mit dem Ball am Fuß) ergibt sich dadurch, dass de Jong insgesamt eine deutlich produktivere Rolle im Mittelfeld der Katalanen einnimmt. Ein Blick auf die „Key-Passes“-Statistik (Pässe, die direkt zu Schüssen führen) verstärkt diese Ansicht. Während de Jong im Schnitt im ersten Saisonviertel bei ca. 0,45 Schlüsselpässen pro Spiel lag, hat sich dieser Wert seit Dezember auf 1,4 schlagartig erhöht. Hierbei sticht vor allem der starke Wert von 5 (!) aus dem Spiel gegen Levante hervor. Die durchschnittliche Anzahl an Abschluss-Vorbereitungen hat sich dementsprechend drastisch erhöht. Für die starke Veränderung von de Jongs Rolle sprechen auch weitere zugrundeliegende Statistiken. So spielt er zwar im durchschnitt weniger Pässe, geht dafür aber auch häufiger direkt ins Dribbling als noch zu Beginn der Saison. Gepaart mit der Tendenz, dass seine Pässe und Dribblings diese Saison sowieso deutlich mehr progressive Distanz auf dem Feld zurücklegen (347 zu 257 Yards [also ca. 80 Meter mehr] mit Pässen pro Spiel sowie 244 zu 197 Yards (+45 Meter) pro eigenem Ballbesitz) ergibt sich dadurch, dass de Jong insgesamt eine deutlich produktivere Rolle im Mittelfeld der Katalanen einnimmt. Ein Blick auf die „Key-Passes“-Statistik (Pässe, die direkt zu Schüssen führen) verstärkt diese Ansicht. Während de Jong im Schnitt im ersten Saisonviertel bei ca. 0,45 Schlüsselpässen pro Spiel lag, hat sich dieser Wert seit Dezember auf 1,4 schlagartig erhöht. Hierbei sticht vor allem der starke Wert von 5 (!) aus dem Spiel gegen Levante hervor. Die durchschnittliche Anzahl an Abschluss-Vorbereitungen hat sich dementsprechend drastisch erhöht. Am wichtigsten für de Jong sind und bleiben allerdings seine Dribblings. Mit seinen durchschnittlich 244 progressiven Yards pro Ballführung befindet er sich damit auf Platz 3 im Team (Riqui Puig auf Platz 1 darf durch die wesentlich kleinere Sample Size ausgeklammert werden), wobei de Jong von den regelmäßigen Startern nur hinter Ousmane Dembélé knapp zurückbleibt (244,0 zu 244,6). Durch seine allgemein höhere Position auf dem Feld und die stärkere Tendenz, direkt an der Erstellung von Toren beteiligt zu sein, hat sich de Jong in diesem Sinne von einem defensiven Metronom zu einem etwas offensiveren Antreiber entwickelt. Er wird zu dem Antreiber, den das Team gerade so dringend nötig hat.

Fazit

Die Statistiken, die Frenkie de Jong in der aktuellen Saison liefert, sind also deutlich überzeugender als noch in der letzten Spielzeit sowie auch zu Anfang der laufenden Saison. Wem die reine statistische Betrachtung nicht ausreicht, der kann auch einfach mal den „Eye-Test“ entscheiden lassen, und sich erst ein Spiel vom Saisonstart ansehen und anschließend einen Auftritt aus den letzten Wochen. Was dabei sofort auffällt ist vor allem die Körpersprache des Holländers. De Jong führt die Zweikämpfe mit mehr Biss und strahlt allgemein auch eine deutlich andere Aura aus, als noch im Oktober oder gar im August. Es scheint, als wäre er nach knapp anderthalb Jahren im blau-roten Dress der Katalanen endlich auch mental da angekommen, wo ihn die Fans schon seit seiner Ankunft (und potentiell sogar schon davor) gesehen haben: De Jong ist zu einem der großen Anführer des Teams geworden. Wenngleich das Team um ihn herum auch manchmal nicht den letzten Willen zeigt oder nicht den besten Tag erwischt hat, de Jong tut alles in seiner Macht Stehende, um der Unterschied für seine Mannschaft zu sein. Neben dem Erwachen von Lionel Messi und der (physisch wie psychischen) Genesung von Ousmane Dembélé ist es vor allem dem Aufstieg von Frenkie de Jong zu verdanken, dass der FC Barcelona langsam aber sicher wieder zurück in Form findet.

(Statistiken via sofascore.com und fbref.com)

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