The Chef is back – Steph Curry lässt die Zweifler verstummen

Obwohl vor der Saison und nach der wieder-Verletzung von Klay Thompson noch viele Zweifel an den Golden State Warriors bestanden haben, so hat Stephen Curry diese seit dem ersten Tip-Off an widerlegt. Aber wie weit kann „Chef Curry“ das Team ohne seinen „Splash Brother“ tragen?

Der MVP von 2015 und 2016 hat sein Team zu einem erfolgreichen Saisonstart geworfen. Wie weit kann Steph die Warriors noch tragen?

Dass Basketball ein recht schnelllebiger Sport ist, dürfte jedem Fan bekannt sein. Ende Oktober wurden die Los Angeles Lakers erst zum Champion gekrönt, schon befinden wir uns Mitte Januar nach mehr als 14 Spielen bereits fast am Ende des ersten Viertels einer neuen Saison. Eine Saison, die bereits mit vielen Überraschungen und Highlights daherkam. Da wären die schwachen Starts vieler Playoff-Teams der letzten Saison, die durch Chris Paul (endlich) wiedererstarkten Phoenix Suns, oder auch der Blockbuster-Trade von James Harden zu den Brookyln Nets und Kevin Durant sowie Kyrie Irving. Was manche Fans allerdings anscheinend auch überraschte, war die scheinbar quasi-Wiederauferstehung eines durch eine Verletzung zum Start der letzten Saison offenbar vergessenen, zweifachen MVPs, der die Liga wieder in Angst und Schrecken versetzt: Die Rede ist von niemand geringerem als Stephen „Steph“ Curry.

Bei Steph jagt aktuell ein Highlight das nächste

Damit soll zwar erstmal nicht gemeint sein, dass sämtliche NBA-Fans vergessen haben, dass Curry ein extrem guter Basketballspieler ist, allerdings gab es genug Stimmen in sowohl TV als auch auf Social Media, die dem unanimous MVP von 2016 nicht mehr zugetraut haben, im Alleingang ein Team anführen zu können. Nach dem Abgang von Kevin Durant zur Saison 19/20 wurde Curry ohne wirklichen Beweis diese Fähigkeit zumindest relativ häufig abgestritten. Dabei hat er SEINE Warriors (denn seien wir ehrlich, auch wenn Durant der Skill-mäßig beste Spieler im Team war, so sind die Warriors immer Stephs Team gewesen) auch schon vor der Ankunft von Durant als back-to-back MVP in zwei aufeinanderfolgende Finals geführt, wovon sie eines natürlich sogar gewinnen konnten. Auch die Rekord-Saison von eben Currys MVP-Saison 2016, in der die Warriors unfassbare 73 von 82 Spielen gewinnen konnten, kam noch vor der Ära Durant. Dementsprechend war Curry also bereits vor längerem im obersten Pantheon der aktuellen Spieler-Generation angekommen. Woher kamen also überhaupt die Zweifel daran, dass ein gesunder Curry mit der höchsten persönlichen Usage-Rate (also den Anteil an Angriffen, die über Curry laufen bzw. von diesem abgeschlossen werden) seit 2016 wieder hier anknüpfen würde?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns erst einmal die Saison 2019/20 ansehen. In der Vorsaison verloren die Warriors aufgrund von Verletzungen von Klay Thompson und Kevin Durant im Finale gegen die Toronto Raptors um Kawhi Leonard, was für viele der erste Indikator für den „Abstieg“ der Warriors werden sollte. Denn ohne Thompson und vor allem ohne Durant würde das Team auch in der nächsten Saison dastehen, und dass auch noch ohne das notwendige freie Kapital, um neue Spieler von Star- oder zumindest Starter-Niveau verpflichten zu können. Einzig der Sign-and-Trade Deal mit den Brooklyn Nets, der Kevin Durant nach New York und D’Angelo Russell zurück nach Oakland/San Francisco schickte, konnte deshalb als positive aufgenommen werden. Die ersten Saisonspiele der Warriors liefen allerdings (wie von vielen erwartet) nicht optimal: aus vier Spielen gab es drei Niederlagen. Zu allem Überfluss verletzte sich Curry dann obendrein auch noch für den Rest der durch Corona verlängerten Saison, er kam nur noch für ein Spiel kurz vorm Shut-Down zum Einsatz. Currys Verletzungen sind dabei sowieso ein weiterer Grund, weshalb er vermehrt angezweifelt wird. Die letzte Saison, die er voll bestreiten konnte, war die Saison 2016/17. Seitdem hat er in keiner Saison mehr als 70 Spiele bestreiten können. Diese fehlende Konstanz kann dem Team natürlich schaden – speziell in Abwesenheit eines anderen, offensiv potenten Superstars a la Kevin Durant oder eben auch Klay Thompson. Letztes Jahr hätte diese Rolle erst Russell ausfüllen sollen, allerdings scheiterte das relativ kläglich. Um ein Team tatsächlich „zu tragen“, müssen eben auch genug Spiele vom jeweiligen Star bestritten werden…was gemessen an den letzten Spielzeiten der einzig stichhaltige Kritikpunkt an Steph Curry in diesem Zusammenhang ist.

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Kann Steph Curry ein Team im Alleingang zum Erfolg führen?

Allerdings muss hierbei auch bedacht werden, dass die Warriors in den Saisons zwischen 2013 und 2019 jedes Jahr in den Playoffs standen; in den letzten 4 Jahren dieses Zeitfensters sogar immer bis ins Finale vorgestoßen sind, und dementsprechend auch wenige Ruhepausen hatten. Unter solchen Bedingungen, bei solch lang anhaltender Belastung mit nur kurzen Pausen im Sommer, steigt das Verletzungsrisiko eines jeden Spielers an. Die Warriors sind in dieser Saison jedoch eines der Teams, welches die längste Pause hatte, da sie zu den wenigen Teams gehörten, die nicht in die NBA-Playoff-Blase nach Orlando reisen durfte…und für Curry, der fast die gesamte reguläre Saison ebenfalls verletzt verbracht hat, war die Pause damit natürlich extra lang. Curry ist also deutlich erholter als beispielsweise LeBron James, dessen Saisonpause gerade mal anderthalb Monate andauerte.

Durch diese große Pause war eine Rückkehr des „MVP-Curry“ eigentlich sogar sehr wahrscheinlich. Immerhin hat er auch neben einem zweiten High-Usage-Superstar wie Kevin Durant weiterhin exzellente Statistiken aufgelegt. Natürlich hat er in dieser Zeit nicht mehr die 30 Punkte aus seiner einstimmigen MVP-Saison erzielt, allerdings behielt er trotzdem eine konstante effektive Wurfquote von rund 60% sowie eine Dreierquote von stets über 40% bei ansonsten ebenfalls konstant guten Statistiken. Dadurch war zwar noch lange nicht gegeben, dass Curry deshalb sofort wieder zu Topform zurückfinden kann, allerdings kann es rückblickend als ein starker Indikator angesehen werden. Auch von Currys Spielstil her gibt es ja bekanntlich (mindestens) einen Präzedenzfall, der mit einem ähnlichen Stil sein Team immer wieder auf seinen Schultern an die Spitze der Western Conference führt: Damian Lillard. Charles Barkley hat den Guard der Portland Trailblazers in Abwesenheit Currys sogar zum besten Dreierschützen der Liga auserkoren (und das kontroverser Weise sogar mit dem Drittplatzierten der ewigen Drei-Punkte-Erfolge-Liste im Ranking), allerdings hat Curry in dieser Saison im Zweikampf mit Lillard bereits bewiesen, dass er diesem weiterhin überlegen zu sein scheint: Sein neues Karriere-Hoch von 62 Punkten in einem Spiel kam gegen die Trail Blazers. Auch gegen LeBron James und den Champion aus Los Angeles zeigte Curry eine ansprechende Leistung; versenkte unter anderem gegen Ende den spielentscheidenden Step-Back-Dreier ins Gesicht von Anthony Davis.

Stephs 62-Punkte Performance gegen die Blazers um Damian Lillard

„Curry is washed“ oder auch „He can’t win without KD” hieß es vor der Saison noch aus allen Ecken. Spätestens seit feststand, dass Currys Co-Genialer Partner Klay Thompson die nächste Saison verletzt aussetzen muss, hatten viele die Warriors bereits wieder abgeschrieben. Mit Curry allein würde es nur gerade so für die Playoffs reichen. Und dennoch stehen die Warriors aktuell in einer STARK (und ich meine HEFTIG) umkämpften Western Conference auf einem soliden 5. Platz. Und alle Stimmen sind verstummt. Natürlich auch dank immer besser werdenden Leistungen von Defensivanker Draymond Green und auch vom neuen supporting Cast aus Kelly Oubre Jr., Andrew Wiggins und Rookie James Wiseman. Aber eben auch (hauptsächlich) dank Steph Curry.

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