Den Blick gen Zukunft – Wie sich der FC Barcelona aus der Krise arbeiten kann

Die Krise in Barcelona ist finanziell allgegenwärtig. Dennoch kann der Verein mit guter Führung gestärkt aus der Krise hervorgehen. Wir haben einen Plan konzipiert, wie der FC Barcelona wieder oben mitmischen kann!

Der Umbruch läuft in Katalonien. Wir sehen uns an, wie er noch weiter beschleunigt werden kann!

1:3, 0:1, 0:3, 1:4. Gegen die absolute Elite, sei es Juventus Turin, Atletico Madrid, der große Erzrivale Real oder eben auch zuletzt Paris Saint-Germain, hat sich der FC Barcelona in dieser Saison mehr als schwergetan. Speziell in diesen Partien wird offensichtlich: Der Verein kann in der aktuellen Verfassung unmöglich mit der Spitze Europas mithalten – und steht gerade einmal am Anfang eines langen Umbauprozesses. Vor dem neuen Präsidenten, wer von Joan Laporta, Victor Font oder Toni Freixa auch gewählt werden wird, steht schon jetzt eine Mammutaufgabe: Es muss sowohl die prekäre finanzielle Lage des Vereins stabilisiert werden, als auch ein rundum erneuerter Kader für die nächsten Jahre her. Es muss eingeschätzt werden, wer von den altgedienten Stammkräften noch Teil des neuen Projekts bleiben soll, wer gehen gelassen werden soll und wer vor allen Dingen für gemäßigte Ablösesummen verpflichtet werden kann. Es stellt sich deshalb die Frage, wie diese sportlich als auch wirtschaftlich schwierige Situation überwunden werden kann. Wir haben einen “4 Punkte Plan” für den neuen “Mann im Stuhl” erarbeitet, wie der Verein aus der Krise in die nächste Hochphase geführt werden könnte.

1. WO SIND DIE BAUSTELLEN?

Verteidigung

Speziell die Partie gegen PSG hat es offenbart: Dem FC Barcelona fehlt es dringendst an fähigen Defensivkräften. Clement Lenglet kriegt keine zwei guten Partien mehr aneinandergereiht und genießt keinesfalls das Vertrauen von Ronald Koeman; gleiches gilt trotz kurzem aufblitzen seines Talents auch (wieder) für Samuel Umtiti. Gerard Pique, der für die PSG-Partie noch vom Haken gelassen werden kann, da es seine erste Partie nach langer Verletzungspause war (dass er dann sofort ins kalte Wasser namens Kylian Mbappe geworfen werden muss, spricht in diesem Sinne auch Bände über seine Kameraden in der Verteidigung), wird auch weder jünger noch schneller auf den Beinen. Einzig der junge Ronald Araujo besticht in dieser Saison mit konstant starken Leistungen in der Zentrale; Oscar Mingueza sieht man dagegen an manchen Stellen doch noch an, dass es seine erste Profisaison ist. In diesem Sinne ist die Innenverteidigung die erste Baustelle, auf der (wenigstens) ein neuer hermuss.
Die Außenverteidiger, wenngleich defensiv ebenfalls teilweise wackelig, sind zwar etwas sicherer, allerdings stellt sich hier speziell auf der linken Seite so langsam die Frage eines Nachfolgers für Jordi Alba. Der bissige Spanier ist weiterhin gesetzt, zahlt das Vertrauen allerdings auch sehr häufig mit offensiver Brillanz zurück. Dahinter wurde mit Junior Firpo zwar bereits ein Konkurrent verpflichtet, der ehemalige Profi von Betis Sevilla konnte allerdings nie an seine Leistungen in Grün-Weiß anknüpfen. In diesem Sinne wird sich hier die Frage stellen, wer denn (endlich) in Albas Fußstapfen treten kann und vor allem wann dies geschehen wird/muss.


Mittelfeld

Im Mittelfeld, und das hat ebenfalls vor allem das Spiel gegen PSG bewiesen, fehlt es oftmals sowohl an Kontrolle, als auch an Absicherung für die Defensive im Umschaltspiel. Pedri, wenngleich er als die Offenbarung und das Transferschnäppchen der Saison gewertet werden dürfte, wirkte schwer überspielt (was bei seinem enormen Pensum in seiner ersten Profisaison auch verständlich ist). Frenkie De Jong, so gut er auch in Form ist, hat sich zwar gegen die physisch starken Pariser gewehrt, kann allerdings allein auch nur bedingt etwas ausrichten. Sergio Busquets hingegen hat man angesehen, dass er einfach nicht mehr schneller wird. Der Spanier ist im Umschaltspiel ein gefundenes Fressen für schnelle Angreifer und kann in diesem Sinne der Abwehrreihe nicht mehr den Schutz liefern, wie er es in der Vergangenheit stets in Perfektion tat. Hinter den Stammkräften warten mit dem aufstrebenden Riqui Puig und Miralem Pjanic sowie auch Jugendspieler Ilaix Moriba zwar auch noch qualitativ hochwertige Kräfte, allerdings haben (Moriba für die wenigen Einsätze ausgeklammert) bisher noch wenig Konstanz in ihre Auftritte bekommen. Hier wäre also ein Sechser (oder eben ein Box-to-Box-Achter, so De Jong wieder auf die Sechs rücken soll) zumindest denkbar.


Angriff

Im Sturm prangert seit dem Abgang von „El Pistolero“ ein großes Loch im Sturmzentrum. Antoine Griezmann und Lionel Messi sind einfach keine echten Neuner, Martin Braithwaite ist (bei all dem Twitter-Hype um MB9) einfach kein Spieler auf dem nötigen Niveau. Ein Neuzugang ist hier als beinahe zwanghaft notwendig anzusehen. Zudem muss auch noch die Entscheidung von Lionel Messi abgewartet werden: Sollte er tatsächlich den Verein verlassen, wäre hier eine weitere beinahe nicht zu füllende Lücke im Kader.

2. TRANSFERMARKTCHANCEN NUTZEN

Um diese vielen Lücken (oder zumindest einige davon) zu füllen, wird es jedoch auf gutes Gespür und vor allem auf clevere Transfers ankommen. Der Verein hat beinahe kein Geld für Neuzugänge in den Kassen, wird also entweder auf ablösefreie Transfers hoffen und höchstens einige „kleinere“ und vor allem auf die Zukunft ausgerichtete Transfers der Marke Pedri anpeilen müssen.

Für die Innenverteidigung wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (Transferexperte Fabrizio Romano bestätigte diesen Transfer in der vergangenen Woche effektiv bereits) Eric Garcia ablösefrei nach Katalonien zurückkehren. Der ehemalige La Masia-Student wird seinen Vertrag in Manchester nicht verlängern und hätte für eine geringe Ablösesumme auch schon im Winter verpflichtet werden können. Die Verantwortlichen entschieden sich allerdings, die paar Millionen einzusparen, und den ablösefreien Wechsel im Sommer anzustreben. Es fehlt eigentlich nur noch die offizielle Bestätigung, um die Rückkehr Garcias als perfekt zu verbuchen (wobei Ronald Koeman diese mit einem Interview Ende Januar eigentlich schon selbst gegeben hat:)

“Ich habe mit Pep gesprochen, um ihm zum 50. Geburtstag zu gratulieren, über Eric Garcia haben wir dabei nicht gesprochen. Er kommt sicherlich zur neuen Saison – falls es nicht möglich ist, dass er im Januar kommt, akzeptieren wir das und blicken nach vorne.”

Ronald Koeman über einen Garcia-Transfer (via Barcawelt)

Ein dafür bereits jetzt sicherer Neuzugang, der auf den Außenverteidigerpositionen aushelfen kann, ist Emerson Royal. Der Brasilianer, der aktuell noch an Betis Sevilla ausgeliehen ist, gehört defensiv zu den besten Außenverteidigern der Liga und wird bei seiner Rückkehr für mindestens mehr Kaderbreite sorgen. So hätte Ronald Koeman außerdem die Möglichkeit Sergi Roberto als Mittelfeldmann aufzustellen oder aber auch Sergino Dest als Back-Up für Jordi Alba zu benutzen und Emerson anstelle des Amerikaners hinten rechts aufzubieten. In jedem Fall wird der junge Brasilianer das Team sofort bereichern können…auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass er dies bei den Leistungen von Dest/Mingueza vielleicht im wörtlichen Sinne als Verkaufskandidat tun wird.

Embed from Getty Images

Emerson Royal stößt bald zu seinem “Stammverein” …doch für wie lange?

Bleiben noch die vakanten Positionen im Mittelfeld und im Sturmzentrum zu besetzten. Auch hier ergeben sich, wie bei Garcia, einige Transfermarktchancen auf dem Markt für bald Vereinslose Spieler. Im Mittelfeld hört der mögliche Neuzugang dabei auf den Namen Georginio Wijnaldum und ist aktuell noch beim FC Liverpool unter Vertrag. Der Landsmann von Trainer Ronald Koeman war schon nach dessen Anstellung mit einem Wechsel in die katalanische Metropole in Verbindung gebracht worden und soll einem ablösefreien Wechsel keineswegs abgeneigt sein. Schon in der holländischen Nationalelf baute Koeman beständig auf Wijnaldum, der dem Team im Mittelfeld ein kämpferisches Element dazugeben könnte. Einzig sein Alter (der Niederländer hat die 30 bereits geknackt) wäre als Manko zu betrachten.

Embed from Getty Images

Jetzt noch in Knallrot – Wechselt Wijnaldum bald ins Blau-Rote Dress?

Für das Sturmzentrum gibt es, stand jetzt, gleich zwei Alternativen. Sowohl Sergio Agüero, als auch Memphis Depay sind am Saisonende vertragslos. Beide haben außerdem durchaus valide Gründe, die für ihre Verpflichtung sprechen. Depay ist mit 27 gerade erst in der Blüte seines Schaffens angekommen und gilt als ein weiterer Wunschtransfer von Koeman. Agüero dagegen dürfte, trotz seines höheren Alters von 32, speziell dann in Frage kommen, sollte Lionel Messi noch stärker von einem Verbleib überzeugt werden müssen; die beiden Argentinier gelten seit jeher als sehr gute Freunde. Der finanziell sensiblere Transfer dürfte dennoch der Niederländer sein, der so für einen deutlich längeren Zeitraum für die Mannschaft eingebunden werden kann, während „Kun“ vermutlich eher eine kurzfristige Lösung (Vertragslaufzeit vermutlich maximal 1-2 Jahre) darstellen dürfte. Gleichzeitig ist Agüero allerdings besser ins Anforderungsprofil des “echten” Neuners passen als Mittelstürmer Depay, die Entscheidung im Sommer wird dementsprechend spannend zu beobachten sein.

Embed from Getty Images

Agüero oder doch Depay – Barca scheint die Qual der Wahl zu haben.

3.1 DIE KASSEN FÜR SPÄTER FÜLLEN

Um im nächsten Schritt noch einige zukünftige Transfers zu ermöglichen, sollte zudem das Konto für Transferausgaben wieder etwas mehr gefüllt werden. Dies sollte durch einige Abgänge von für den Verein verzichtbaren Spielern möglich werden. Die Frage ist nur, wer im Markt tatsächlich a) gefragt und b) von Wert wäre. Wir sollten dabei zuerst festhalten, dass die am stärksten gefragten Profis aus Katalonien (De Jong, Ansu Fati, Pedri, …) natürlich als unverkäuflich einzustufen sind. Generell sollte von der „jüngeren Generation“ mit hohem Transferwert (Dembélé, Trincao, Dest, Araujo,…) so ziemlich niemand leichtfertig (wer erinnert sich an den „tollen“ Transfer des „Bankspielers“ Thiago 2013?) abgegeben werden. Stattdessen sollten die möglichen Abgänge in der zweiten Reihe bzw. bei den „Älteren“ gesucht werden.

Der erste Kandidat ist Martin Braithwaite. Der Däne, der sowieso nur als absoluter Notfalltransfer geholt wurde, ist bei weitem kein Spieler vom benötigten Niveau. Sollte Memphis Depay oder Sergio Agüero im Sommer ablösefrei kommen, sollte der Däne schleunigst verscherbelt werden. Interesse aus England soll es im Winter gegeben haben. Zudem finden sich in der eigenen Jugend mit Konrad, Collado und Co. genügend Offensivkräfte, die den Kaderplatz eher gebrauchen können und vor allem als Rotationsoption für die Mittelstürmerposition vollkommen genügen sollten.

Embed from Getty Images

Hier feiert “MB9” sein Siegtreffer gegen Sevilla – Reicht das für den Verbleib?

Norberto Neto, der Ersatz-Schlussmann, ist im Winter häufiger vor die Mikrophone getreten, um seinen Unmut über seine mangelnde Einsatzzeit hinter Marc-André ter Stegen zu bemängeln…ganz zum Ärger seines Trainers. Neto spielte seitdem keinerlei Rolle mehr und bietet sich dementsprechend auch für einen Verkauf an. Der Brasilianer wäre, selbst ohne den Streit mit Koeman, bei ter Stegen’s Dominanz für die Rolle des Ersatzmannes sowieso überbesetzt gewesen, ein Transfer wäre so oder so an der Zeit gewesen. Zumal Pena und Tenas aus der B-Mannschaft sowieso bereit für mehr sind. Auch an Neto soll es zudem bereits Interesse am Markt gegeben haben, für einen Torhüter von seiner (unbestreitbaren) Qualität gibt es am Markt immer mögliche Abnehmer. Zudem spielt bei Torhütern das Alter eine etwas untergeordnetere Rolle als bei Feldspielern, weshalb sein Alter von 31 Jahren hier nicht so negativ in die Transfersumme eingehen dürfte.

Embed from Getty Images

Schon lange ohne Einsatz – Neto wird den Verein wohl sicher verlassen.

Junior Firpo soll den Ansprüchen von Ronald Koeman (wie schon denen von Valverde und selbst seinem ehemaligen Förderer Setien) nicht genügen und ebenfalls als Streichkandidat gelten. Der Spanier konnte nie an seine Zeit bei Betis Sevilla anknüpfen, weckt allerdings aufgrund seiner ehemaligen Leistungen und seines weiterhin verhältnismäßig jungen Alters dennoch einige Begehrlichkeiten in Europa (unter anderem aus Italien soll es konkretes Interesse an seiner Person gegeben haben). Ein Wechsel im Winter soll wohl nur an der Geburt seines Kindes gescheitert sein und gilt im Sommer dementsprechend als wahrscheinlich. Dazu kommt noch der Fakt, dass als Alternativen der aufstrebende Alejandro Baldé aus der Jugend immer näher an die Profimannschaft heranzurücken scheint und mit Jose Gaya Gerüchten zufolge ein Wunschspieler für die Linksverteidigerposition im kommenden Sommer für eine machbare Ablösesumme zu haben sein soll (mehr dazu später).

Embed from Getty Images

Junior Firpos Zeit in Barcelona neigt sich wohl dem Ende entgegen.

Ein letzter Abgangskandidat, der als beinahe sicher gilt, ist Jean-Clair Todibo. Der Franzose, der aktuell in Nizza aufblüht, könnte theoretisch als junge Verstärkung für die wacklige Defensive angesehen werden, so er denn seine Leistungen aus Frankreich im nächsten Jahr nach Spanien übertragen kann. Allerdings soll Todibo einen permanenten Wechsel in die französische Mittelmeerstadt anstatt eine Rückkehr nach Katalonien bevorzugen. Aufgrund seiner aufstrebenden Form und seines weiterhin jungen Alters könnte dabei sogar eine solide Ablösesumme zustande kommen.

“Ich hoffe also sehr, dass es passiert. Meine individuellen Leistungen werden entscheiden, ob ich hier bleibe oder nicht. Es gibt noch viel zu tun.”

Jean-Clair Todibo über einen permanenten Wechsel nach Nizza (via Fussballeuropa)

3.2 UNPASSENDES AUSSORTIEREN

Damit hätten wir die „zweite Reihe“ abgearbeitet. Allerdings sehe ich auch bei einigen Startelfkandidaten genug Potential für einen Wechsel im kommenden Sommer, speziell um auch noch höhere Transfersummen zu vereinnahmen. Dabei handelt es sich vor allem um Spieler, die entweder zuletzt wackelige Leistungen zeigten, oder aber systematisch nicht (mehr) zum Club passen und dementsprechend anderswo besser aufgehoben wären.

Mein erster Vorschlag wäre hier Philippe Coutinho. Der Brasilianer spielte unter Ronald Koeman zwar eine deutlich größere Rolle als noch unter Ernesto Valverde, allerdings dürfte die Rückkehr ins 4-3-3 (oder gar das 3-1-4-2 aus den Sevilla-Spielen) seiner Form bei seiner Rückkehr kaum guttun. Auch wurde er bereits vor seiner Verletzung selbst im für ihn theoretisch vorteilhaften 4-2-3-1 immer mehr von Pedri verdrängt. Immerhin dürfte der Brasilianer nach dem Triple in München und den besseren Leistungen in „Blaugrana“ wieder einen höheren Transferwert aufweisen, als er es 2019 hatte.

Embed from Getty Images

Es sollte wohl nicht sein – Coutinho und Barca fanden nie so richtig zusammen.

Der nächste Kandidat ist einer der Innenverteidiger-Wackler: Clement Lenglet oder Samuel Umtiti. Die beiden Franzosen fallen immer wieder mit vielen Fehlern negativ auf, Lenglet hält in der aktuellen Saison beispielsweise den Rekord für verursachte Elfmeter gegen sein Team (3). Es sollten zwar definitiv für die allgemeine Kaderbreite nicht direkt beide Franzosen abgegeben werden (es sei denn, es findet sich eine günstige Alternative auf dem Transfermarkt), aber einer von beiden sollte dennoch mindestens in Frage gestellt werden. Ob man eher auf eine physische Genesung von Umtiti oder eine (ich nenne es jetzt mal) formtechnische Genesung von Lenglet hofft, muss am Ende der Saison (und auch aufgrund der Nachfrage) entschieden werden. [Nach den sich zuletzt bessernden Leistungen Lenglets neben Gerard Pique würde ich hier erstmal Umtiti als „führenden“ in die Liste aufnehmen.]

Embed from Getty Images

Beide überzeugen nicht vollends – Reicht es für Umtiti und Lenglet?

Miralem Pjanic, so teuer er im Sommer auch theoretisch war, hat weiterhin noch nicht so richtig in Spanien Fuß gefasst. Der Bosnier scheint das Vertrauen seines Trainers nicht zu genießen und hat sich jetzt auch schon häufiger über seine mangelnden Einsätze beschwert. Er könnte eigentlich ein Kandidat für die 6/8 sein, selbst wenn Wijnaldum kommt. Ein Kader mit De Jong, Pedri, Busquets, Pjanic, Wijnaldum, Puig und Alena sowie auch Moriba im Mittelfeld macht viele verschiedenste Kombinationen möglich und wäre damit taktisch unglaublich flexibel. Allerdings muss der Trainer hierfür auch den Kandidaten vertrauen…ansonsten können die Spieler auch gehen.

„Er hat in letzter Zeit wenig gespielt. Es ist eine komplizierte Situation für ihn und er muss daran arbeiten, um dies zu ändern. In großen Teams gibt es immer Konkurrenz“

Ronald Koeman über die Situation von Miralem Pjanic (via Onefootball)

Mein letzter Vorschlag hängt von mehreren Komponenten ab. Die erste ist dabei der Markt, die zweite die möglichen Neuzugänge und die dritte ist Lionel Messi. Antoine Griezmann sollte, bei einem entsprechenden Angebot und unter den richtigen Umständen, nicht als unantastbar gelten. Der Franzose findet zwar immer mehr zu seinem Selbst aus Atletico-Zeiten zurück und ist in brillanter Form mit einigen wichtigen Toren und Vorlagen ins neue Jahr gestartet, allerdings ist er für die Mannschaft nicht so essenziell, wie man es von einem Spieler seines Kalibers erwarten würde (Beweisstück a: Gegen Sevilla stand er in der letzten Woche beide Male nicht in der Startelf). Er ist einfach kein „echter“ Mittelstürmer, wie das Team ihn braucht. Wenn Messi bleibt und dazu mit Depay/Agüero eine echte Spitze verpflichtet wird, bleibt für Griezmann plötzlich nur noch der ungeliebte linke Flügel. Das Problem: Hier wären dann wiederum auch der wiedererstarkte Ousmane Dembélé und (für viele Culés noch viel wichtiger) Supertalent Ansu Fati zu finden. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist Griezmann bereits 29 (und knackt auch dieses Jahr noch die 30) und sollte, im „Messi-bleibt“-Szenario, bei entsprechender Transfersumme abgegeben werden. Im anderen Fall, wenn also Messi den Verein tatsächlich verlässt, kann Griezmann jedoch die Rolle des Argentiniers (versuchen zu) übernehmen, um dessen Abgang etwas abzufedern. Zumal der Franzose sowieso als wichtiger interner Teil der Mannschaft gilt und bei seinen Mitspielern höchste Beliebtheit genießt. Im „Messilosen“ Barca könnte Griezmann also einer der Anführer werden, wenn er es nicht sowieso schon ist.

Embed from Getty Images

Auch seine Zukunft hängt vom Floh ab – Sollte Griezmann in Katalonien bleiben?

4. JUGEND STATT „ALTE HERREN“

Um den Kader, nach den vielen möglichen Abgängen, dann noch weiter auf die Zukunft auszurichten, sollte der Blick der Verantwortlichen, anders als in der Ära Bartomeu, Richtung Jugend (sowohl zur eigenen Jugendabteilung, als auch zu denen anderer Teams) statt Richtung Stars gehen.

Innerhalb von La Masia finden sich bereits genügend Juwelen, um dem Kader zumindest die nötige Breite zu geben. Seien es Ilaix Moriba, Alejandro Balde, Konrad de la Fuente, Alex Collado, oder, oder, oder, die Talentschmiede des FC Barcelona nähert sich wieder ihrem „alten“ Niveau aus den Zeiten Anfang der 2000er (Messi, Pique, Fabregas, Busquets, …) an. Positionen wie die von Junior Firpo, als Rotationsspieler hinter Jordi Alba, sollten nicht sofort mit externen Kräften besetzt werden, sondern in erster Instanz mit den „jungen Wilden“ aus eigenem Hause. Es kann natürlich nicht jeder der „nächste Messi“ sein und auch ein Fall wie der von Ansu Fati wird schwer zu replizieren sein, allerdings haben Spieler wie Konrad oder auch Moriba bereits jetzt bei weitem genug Talent, um wenigstens um Minuten in der „Kampfmannschaft“ mitzumischen.

Embed from Getty Images

“Jugend forscht” auch wieder beim FCB – Barca lässt die Talente wieder ran

Falls dann doch mal ein höchst talentierter Mann bei anderen Teams unter Vertrag ist, aber für eine dankbare Ablöse zu holen ist, sollten die Verantwortlichen auch hier schnellstmöglich handeln. Borussia Dortmund zaubert auch immer wieder starke junge Talente aus dem Hut, die sie für beinahe Spottpreise verpflichten und anschließend für gigantische Summen weiterverkaufen. Das beste Beispiel, wie gut ein solcher Transfer auch für den FC Barcelona ausgehen kann, ist außerdem schon im eigenen Kader vertreten: Pedri kam für kleines Geld von Las Palmas und ist prompt zum Stammspieler geworden. Ich denke hier auf dem aktuellen Transfermarkt unter anderem an Bryan Gil vom FC Sevilla, der als eines der größten spanischen Talente gilt und aktuell noch für machbare 35 Millionen zu haben ist. Oder eben auch an den (wenngleich nicht mehr U20-jährigen, aber mit 25 definitiv noch auf Jahre hinweg einsetzbaren) Jose Gaya, der im Sommer zu einem weiteren Kandidaten im Valencianischen Ausverkauf werden könnte. Der Verein sollte auf günstigere Alternativen zurückgreifen, anstatt hunderte Millionen Euro für nicht in das System passende Spieler zu verschwenden.

FAZIT

Der kommende Sommer wird hart für den FC Barcelona. Wer auch immer im nächsten Monat ins Amt des Vereinspräsidenten gewählt werden wird, vor ihm steht eine Mammutaufgabe. Dennoch gibt es Hoffnung. Der Beginn des Umbruchs, mit Spielern wie Ansu Fati, Pedri, Frenkie De Jong und Sergino Dest, ist bereits getan. Um den „neuen“ Core zu erweitern, müssen bei den aktuellen finanziellen Schwierigkeiten jedoch viel Fingerspitzengefühl und ein wenig Glück her. „Überflüssiges“ Spielermaterial wird genauso weichen müssen, wie die Fixierung auf Transfers im Bereich der 100 Millionen plus. Stattdessen sollte sich in den nächsten Jahren ein Beispiel an Teams wie dem FC Bayern oder auch dem FC Liverpool und selbst Manchester City in den vergangenen Jahren genommen werden, die, statt Millionentransfers für taktisch unpassende Stars anzupeilen, stattdessen zum einen schlaue Investitionen (Davies, Robertson, Rodri) und Transfermarktchancen (Sané, Thiago, Torres) genutzt haben, um ihren Kader bestmöglich zu optimieren. Barcelona kann auf diesem Weg auch wieder zurück in die europäische Spitze finden. Die Hauptachse der “neuen” Generation besteht mit Araujo-Pedri/De Jong-Ansu Fati bereits. Es muss nur ordentlicher geplant, gescoutet und gewirtschaftet werden, um diese Achse bestmöglich zu erweitern.

Schreibe einen Kommentar